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Freitag, 12. August 2022

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Bürgermeister Günther Albel über Leerstandsabgabe, Bodenversiegelung und Logistikzentrum in Villach

Bodenversiegelung, Bodenverbrauch, „Schwammstadt“ Villach, Quartiersprojekte, Leerstandsabgabe, Logistikzentrum: Im Gespräch mit Bürgermeister Günther Albel.

In Österreich wird viel über Bodenversiegelung und ihre Auswirkungen diskutiert. Wie verhält sich in dieser Hinsicht die Situation in Villach?
ALBEL: Knapp 80 Prozent der Fläche Villachs ist grün: Wald, Wiesen, landwirtschaftliche Nutzflächen und Gewässer. Alleine der Waldanteil beträgt 55 Prozent – der beste Wert aller Städte Österreichs. Der Waldanteil ist übrigens gleich groß wie vor 40 Jahren. Wir gehen sorgfältig mit unserem Boden um. Dennoch muss die wirtschaftliche Entwicklung dieser boomenden Stadt möglich sein.

„EINEN NÜTZEN, EINEN SCHÜTZEN“
Die Ressource „Boden“ ist einerseits enden wollend, andererseits werden neue Wohnungen benötigt, es siedeln sich neue Betriebe an. Wie sieht es in dieser Hinsicht in Villach aus?
Unsere Stadt ist dabei, einen Bodenfonds zu gründen, nach dem Motto „Einen Quadratmeter nützen, einen Quadratmeter schützen“. Das heißt, bei größeren Vorhaben werden neue Flächen angekauft und Naturschutzprojekte umgesetzt. Villach ist einer der vier österreichischen Bezirke, die am stärksten wachsen. Jedes Jahr kommen bis zu 900 neue Villacherinnen und Villacher dazu. Auch sie müssen mit sozialer Infrastruktur wohnversorgt werden. Aber eben nicht mehr auf der grünen Wiese, sondern nur dort, wo schon Siedlungsraum und die Infrastruktur vorhanden sind.

DIE „SCHWAMMSTADT“ KOMMT
Die Klimaveränderungen machen vor allem das Zentrum zu echten „Hot Spots“. Deswegen sollen jetzt noch mehr Bäume ins Stadtzentrum. Was ist geplant?
Wir sind schon mitten in der Klimaveränderung. Deshalb müssen sich die Städte neu finden. Über die ZAMG-Hitzestudie wissen wir jetzt, wo wir nachbessern müssen. Das machen wir mit hitzefreien Zonen – auch mit der Idee einer grünen Allee durch die Stadt, vom Bahnhof über den Hauptplatz und weiter. Fahrt nimmt auch das Projekt „Schwammstadt“ auf, das gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt wird. Das basiert auf dem Prinzip, dass anfallendes Regenwasser über neue Begrünungen von Oberflächen – wie Dächer, Fassaden und Straßenzüge – lokal aufgenommen und gespeichert wird, anstatt es zu abzuleiten. Das fördert die Verdunstkühlung.

„ES MUSS LEISTBARER
WOHNRAUM SEIN“

Das Westbahnhof-Projekt an der Italiener Straße oder das geplante Nikolaiquartier sind wichtige Zukunftsvorhaben. Was versprechen Sie sich für Villach davon?
Villach wächst stark, wir benötigen Wohnraum. Der Wohnraum soll vorwiegend im innerstädtischen Bereich sein – und es muss leistbarer Wohnraum sein. Die Viertelentwicklungen fokussieren auf leistbares Wohnen. Obwohl wir bereits über 100 neue Plätze geschaffen haben, spielt dabei auch das Thema „Kindergarten“ weiter eine wesentliche Rolle. In den neuen Stadtquartieren werden auch grüne Lungen benötigt, Parks, grüne Ecken, die wir ja schon umsetzen. Ebenso muss Platz fürs Kleingewerbe vorhanden sein. Es geht um eine gute Durchmischung.

Wie schauen die zeitlichen Umsetzungspläne aus?
Gegen Ende des kommenden Jahres sollte es beim Westbahnhofquartier so weit sein, dass die ÖBB die Bebauungspläne finalisiert hat und dann das Projekt ausschreibt. Beim Nikolaiquartier gibt es zeitlich noch keine konkrete Festlegung. Die Gespräche sind jedoch schon sehr weitreichend, so dass dieses Vorhaben in den nächsten zwei wie bis fünf Jahren umgesetzt werden sollte.

KOMMT LEERSTANDSABGABE?
Geisterwohnungen, Geisterhäuser – zu viele Wohnungen stehen leer. Die anderen meinen, es werde zu wenig gebaut. Die Mieten steigen. Es ist seitens der Kommunen schon von einer Leerstandsabgabe die Rede. Wie sehen Sie die Situation?
Da bin ich klar der Auffassung, dass jene, die Wohnungen leerstehen lassen können, auch einen Anteil der gesellschaftlichen Versorgung einer Stadt mittragen sollen, also eine Leerstandsabgabe. Das wäre nur gerecht. Infrastruktur muss ja trotzdem geschaffen werden, egal, ob die Wohnung leersteht oder nicht. Es ist davon auszugehen, dass quer durch Kärnten und Österreich etwa sieben Prozent der Wohnungen ungenützt bleiben. Allerdings wehrt sich der Bund unverständlicherweise noch dagegen. Wenn der Bund ein tatsächliches Interesse daran hat, dass weniger gebaut wird, muss er zu einer Leerstandsabgabe Ja sagen.

„WIEDER EIN STÜCK NORMALITÄT“
Zwei Jahre kein Kirchtag – viele plagten schon „Entzugserscheinungen“. In der ersten Augustwoche geht’s wieder los. Wie ist für heuer Ihre Erwartungshaltung?
Endlich ist Kirchtag! Wir brauchen wieder ein Stück Normalität. Dazu gehört auch der Kirchtag, unser Fest der Lebensfreude. Neben ein paar Neuerungen wird natürlich auf die Sicherheit größter Wert gelegt. Das Brauchtum, die Wurzeln einer Gesellschaft, muss die Chance bekommen, wieder lebendig zu werden. Darauf legen wir größtes Augenmerk.

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