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Sonntag, 19. Mai 2024

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„Dr.in Christina Hirschl über Silicon Austria Labs“

Silicon Austria Labs steht im Technologiepark Villach Österreichs größter Forschungsreinraum zur Verfügung – als Basis für den Aufstieg in die Champions League der führenden europäischen Player. Im Gespräch mit Geschäftsführerin Dr.in Christina Hirschl.

Villach, Graz und Linz wurden vom Bund als Spitzenforschungszentrum für Mikroelektronik auserkoren, also Silicon Austria Labs. Sie wurden im Juni des Vorjahres mit der Geschäftsführung betraut. Welche Ziele haben Sie sich mit Silicon Austria Labs schwerpunktmäßig gesetzt?
HIRSCHL: Unser wichtigstes Ziel ist es, Nutzen für die Industrie und unser tägliches Leben zu erzielen. Silicon Austria Labs soll also mit seinen Innovationen und Impacts Wirkung zeigen, neue Jobs schaffen und den Betrieben neue Wirtschaftsmöglichkeiten eröffnen. Das ist unsere Vision, unser Auftrag. Nachdem wir Teil des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sind, heißt das auch ganz klar, mit unserer Forschung und Entwicklung Nachhaltigkeitsaspekte in Richtung Klimaziele zu verfolgen. Die Ziele der Bundesregierung müssen sich hier widerspiegeln. Doch das eigentliche Asset sind immer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Kreativität ist entscheidend. Deshalb ist es auch eine meiner wichtigsten Aufgaben, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass sich die Beschäftigten wohlfühlen.

SINNESORGANE DER TECHNIK
Welche Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte sind in Villach angesiedelt?
Villach steht sehr stark für Hardware-Themen, Leistungselektronik, also Sensoren als die Sinnesorgane der Technik und Komponenten, die – Stichworte: Handy, VR-Brillen, autonomes Fahren – in ganz unterschiedlichen Bereichen unser tägliches Leben begleiten und erleichtern. Auch die gedruckte Elektronik gehört dazu. Es geht darum, die Leistungsdichte und Effizienz der elektronischen Bauteile zu erhöhen. Dafür steht uns jetzt Österreichs größte Reinrauminfrastruktur zur Verfügung, auch um Prototypen in Kleinserien zu produzieren. Das war bis jetzt nicht möglich.

VILLACH – GRAZ – LINZ
Welche Rollen wurden Graz und Linz zugeordnet?
Auch in Graz, unserem Headquarter, werden ebenso wie in Villach Sensoren und Komponenten entwickelt. Eingebettet sind in Graz auch der Bereich Artificial Intelligence, also Maschinen intelligenter zu machen, und KI-Themen. Graz ist eher Software-lastig. Das ist ein großer Vorteil. In Linz konzentrieren wir uns schwerpunktmäßig vor allem auf die Kommunikationstechnologie.

Welche Bedeutung hat Silicon Austria Labs für den Standort Kärnten, welche Perspektiven eröffnen sich damit für unser Bundesland, speziell für Villach?
Wir entwickeln uns sehr positiv in Richtung Technologieland Kärnten. Es ist auch im Hinblick auf neue Betriebsansiedelungen ein großer Vorteil, wenn vor Ort für einen nachhaltigen Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ein eigenes Forschungszentrum zur Verfügung steht. Auf kurzen Wegen lässt es sich einfach viel besser kooperieren, und die SAL-Erfolgsgeschichte kann kontinuierlich weitergeschrieben werden. Kärntens Rolle als Technologie-Hotspot wird wesentlich stärker, und unser Ziel ist es, den Wertschöpfungsprozess von der Idee zur Innovation mit exzellenter Forschung zu beschleunigen.

IN DEN TOP TEN ANGEKOMMEN
Welchen Stellenwert nimmt Silicon Austria Labs innerhalb der österreichischen beziehungsweise europäischen Forscher- und Entwicklerszene ein?
Wir wollen zu einem der Spitzenforschungszentren in Europa werden und Vorreiterrollen einnehmen. Das stelle ich mir so vor, dass zuerst bei uns angerufen wird, wenn es etwa in einem Investitionskonsortium darum geht, auf neue Themenbereiche und Hightech-Entwicklungen zu setzen. Derzeit ist es so, dass wir im Bereich elektronikbasierter Systeme in den Top ten angekommen sind.

SAL wird als F&E-Institution immer größer. Wie viele Forscher und Entwickler werden derzeit insgesamt beschäftigt?
Derzeit bauen wir insgesamt auf rund 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei etwa 80 Prozent davon mit Forschung und Entwicklung befasst sind. Bis 2030 sollte sich die Zahl der Mitarbeiter und Forscher auf 600 erhöhen. 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Standort Villach beschäftigt.

VIEL GELD FÜR PILOT-LINE
Sind in Villach in nächster Zeit weitere Investitionen vorgesehen – wenn ja, vor welchem Hintergrund?
Es wird natürlich massiv weiterinvestiert – unser Reinraum ist ja erst zu einem Viertel ausgelastet. Derzeit wird auf dem europäischen Chip-Sektor stark in Richtung Pilot-Line diskutiert. Hier versuchen wir uns gerade entsprechend zu positionieren. Bei dieser Innovation geht es um die nächste Generation leistungsstarker Halbleiterbauelemente mit geringem Stromverbrauch.

„WIR WOLLEN NUTZEN STIFTEN“
Sie gelten als Expertin im Bereich Forschung und Entwicklung. Wo sehen Sie sich mit Silicon Austria Labs im Jahre 2030?
Unter den Top five in Europa, in gewissen Themenbereichen. Da wollen wir uns Alleinstellungen erarbeiten. Klar, dass wir dabei nicht auf Entwicklungsarbeiten setzen können, die IMEC oder Frauenhofer verfolgen. Äußerst wichtig sind uns natürlich zufriedene Industriepartner, die ihre strategischen Themen und die Herausforderungen mit uns teilen. Das Ranking soll dabei kein wirkliches Kriterium sein. Wir wollen von Nutzen sein, und wir wollen Nutzen stiften.

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HIRSCHL: Unser wichtigstes Ziel ist es, Nutzen für die Industrie und unser tägliches Leben zu erzielen. Silicon Austria Labs soll also mit seinen Innovationen und Impacts Wirkung zeigen, neue Jobs schaffen und den Betrieben neue Wirtschaftsmöglichkeiten eröffnen. Das ist unsere Vision, unser Auftrag. Nachdem wir Teil des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sind, heißt das auch ganz klar, mit unserer Forschung und Entwicklung Nachhaltigkeitsaspekte in Richtung Klimaziele zu verfolgen. Die Ziele der Bundesregierung müssen sich hier widerspiegeln. Doch das eigentliche Asset sind immer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Kreativität ist entscheidend. Deshalb ist es auch eine meiner wichtigsten Aufgaben, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass sich die Beschäftigten wohlfühlen.

SINNESORGANE DER TECHNIK
Welche Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte sind in Villach angesiedelt?
Villach steht sehr stark für Hardware-Themen, Leistungselektronik, also Sensoren als die Sinnesorgane der Technik und Komponenten, die – Stichworte: Handy, VR-Brillen, autonomes Fahren – in ganz unterschiedlichen Bereichen unser tägliches Leben begleiten und erleichtern. Auch die gedruckte Elektronik gehört dazu. Es geht darum, die Leistungsdichte und Effizienz der elektronischen Bauteile zu erhöhen. Dafür steht uns jetzt Österreichs größte Reinrauminfrastruktur zur Verfügung, auch um Prototypen in Kleinserien zu produzieren. Das war bis jetzt nicht möglich.

VILLACH – GRAZ – LINZ
Welche Rollen wurden Graz und Linz zugeordnet?
Auch in Graz, unserem Headquarter, werden ebenso wie in Villach Sensoren und Komponenten entwickelt. Eingebettet sind in Graz auch der Bereich Artificial Intelligence, also Maschinen intelligenter zu machen, und KI-Themen. Graz ist eher Software-lastig. Das ist ein großer Vorteil. In Linz konzentrieren wir uns schwerpunktmäßig vor allem auf die Kommunikationstechnologie.

Welche Bedeutung hat Silicon Austria Labs für den Standort Kärnten, welche Perspektiven eröffnen sich damit für unser Bundesland, speziell für Villach?
Wir entwickeln uns sehr positiv in Richtung Technologieland Kärnten. Es ist auch im Hinblick auf neue Betriebsansiedelungen ein großer Vorteil, wenn vor Ort für einen nachhaltigen Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ein eigenes Forschungszentrum zur Verfügung steht. Auf kurzen Wegen lässt es sich einfach viel besser kooperieren, und die SAL-Erfolgsgeschichte kann kontinuierlich weitergeschrieben werden. Kärntens Rolle als Technologie-Hotspot wird wesentlich stärker, und unser Ziel ist es, den Wertschöpfungsprozess von der Idee zur Innovation mit exzellenter Forschung zu beschleunigen.

IN DEN TOP TEN ANGEKOMMEN
Welchen Stellenwert nimmt Silicon Austria Labs innerhalb der österreichischen beziehungsweise europäischen Forscher- und Entwicklerszene ein?
Wir wollen zu einem der Spitzenforschungszentren in Europa werden und Vorreiterrollen einnehmen. Das stelle ich mir so vor, dass zuerst bei uns angerufen wird, wenn es etwa in einem Investitionskonsortium darum geht, auf neue Themenbereiche und Hightech-Entwicklungen zu setzen. Derzeit ist es so, dass wir im Bereich elektronikbasierter Systeme in den Top ten angekommen sind.

SAL wird als F&E-Institution immer größer. Wie viele Forscher und Entwickler werden derzeit insgesamt beschäftigt?
Derzeit bauen wir insgesamt auf rund 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei etwa 80 Prozent davon mit Forschung und Entwicklung befasst sind. Bis 2030 sollte sich die Zahl der Mitarbeiter und Forscher auf 600 erhöhen. 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Standort Villach beschäftigt.

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Sind in Villach in nächster Zeit weitere Investitionen vorgesehen – wenn ja, vor welchem Hintergrund?
Es wird natürlich massiv weiterinvestiert – unser Reinraum ist ja erst zu einem Viertel ausgelastet. Derzeit wird auf dem europäischen Chip-Sektor stark in Richtung Pilot-Line diskutiert. Hier versuchen wir uns gerade entsprechend zu positionieren. Bei dieser Innovation geht es um die nächste Generation leistungsstarker Halbleiterbauelemente mit geringem Stromverbrauch.

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Sie gelten als Expertin im Bereich Forschung und Entwicklung. Wo sehen Sie sich mit Silicon Austria Labs im Jahre 2030?
Unter den Top five in Europa, in gewissen Themenbereichen. Da wollen wir uns Alleinstellungen erarbeiten. Klar, dass wir dabei nicht auf Entwicklungsarbeiten setzen können, die IMEC oder Frauenhofer verfolgen. Äußerst wichtig sind uns natürlich zufriedene Industriepartner, die ihre strategischen Themen und die Herausforderungen mit uns teilen. Das Ranking soll dabei kein wirkliches Kriterium sein. Wir wollen von Nutzen sein, und wir wollen Nutzen stiften.

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