0.7 C
Villach
Dienstag, 23. April 2024

Unabhängiges Stadt-Umland-Magazin

10.000 PS: „Ich genieße die Ruhe beim Fahren“

Anna-Maria Kuchler, Villacherin, lebt ihren Traumberuf. Nach Jobs in der Gastronomie und im Einzelhandel sattelte die 26-Jährige beruflich um – und wurde Lokführerin.

Wollten Sie immer schon Lokführerin werden?
KUCHLER: Den Beruf hatte ich so eigentlich nie am Schirm, bis ich eines Tages im Internet auf ein Jobinserat der ÖBB gestoßen bin. Das Interesse war auf Anhieb sehr groß, und ich habe mich die Wochen darauf sehr intensiv mit den Aufgabengebieten dieses Jobs beschäftigt. Ich habe mich auch mit Lokführern aus meinem Bekanntenkreis unterhalten und mich daraufhin entschlossen, mich für diesen Job zu bewerben.

UNBESCHREIBLICHES GEFÜHL
Was ist für Sie faszinierend daran, Zuggeräte mit 10.000 PS in der Hand zu haben beziehungsweise zu steuern?
Das Gefühl, das man im Führerstand hat, kann ich gar nicht beschreiben. Es ist einfach toll und überwältigt einen immer aufs Neue.

Wie heißt nun Ihr Beruf genau – Lokführerin?
Lokführer – das ist umgangssprachlich. Die genaue Berufsbezeichnung lautet Universal-Triebfahrzeugführerin

SICHERHEIT – GRÖSSTES AUGENMERK
Welche „Fächer“ beinhaltete die Ausbildung?
Gestartet wurde die einjährige Ausbildung mit einem Techniklehrgang, wobei wir dann das Innenleben einer Lok von vorne bis hinten kennenlernten und wie alles funktioniert. Das wurde dann auch in einer Zwischenprüfung abgefragt. Größtes Augenmerk wird auf die Sicherheit gelegt, also vor allem auch auf mögliche Gefahrenbereiche.

Der Beruf eines Lokführers gilt ja eigentlich als Männersache. Wie kommen Sie mit der männlichen Kollegenschaft zurecht?
Sehr gut, ja (lacht)! Die Zusammenarbeit im Team ist wirklich unkompliziert. Das läuft super! Wenn Fragen auftauchen, werden diese in der Regel intensiv besprochen und diskutiert.

„BEI JEDEM WETTER RAUS“
Was ist in diesem Job besonders herausfordernd?
Das Schönste an dem Job als Lokführerin ist für mich auch gleichzeitig das Herausforderndste. Man ist praktisch drinnen und draußen zugleich und hat das Glück, neben der Arbeit auch die Natur bewundern zu dürfen. Im Winter kann es dann natürlich auch vorkommen, dass man bei starkem Schneefall die Lok an den Zug kuppeln muss, was nicht immer angenehm ist, aber zu unserem Beruf dazugehört. Auch die Nachtschichten sind nicht jedermanns Sache, da das Arbeiten in der Nacht mitunter etwas anstrengend sein kann.

„… UND DER ZUG STEHT“
Wie funktioniert das Sicherheitssystem?
Einen Teil unseres Sicherheitssystems stellt die sogenannte „Sifa“, Sicherheitsfahrschaltung, dar. Dabei handelt es sich um einen Fußtaster welcher die wDiensttauglichkeit des Triebfahrzeugführers überwacht. Um einen plötzlichen Stillstand des Zuges zu vermeiden, muss dieser Taster permanent mit dem Fuß gedrückt und in Abständen von 30 Sekunden einmal kurz losgelassen werden. Wird dieser nicht richtig bedient, erfolgt ein optisches sowie akustisches Signal. Wird darauf nicht reagiert, kommt es schließlich zur Zwangsbremsung des Zuges.

Stundenlang allein im Führerstand mit Riesenverantwortung: Fühlen Sie sich da nicht einsam?
Ich genieße die Ruhe beim Fahren.

Auf welchen Strecken werden Sie derzeit eingesetzt?
Mein Dienst startet immer in Villach. Von dort aus geht es für mich entweder mit Güterzügen Richtung, Tarvis, Jesenice, Knittelfeld oder Kapfenberg. Mit der S-Bahn geht es Richtung Rosenbach, Hermagor, Spittal oder Friesach.

Würden Sie Ihren Job als Ihren Traumberuf bezeichnen?
Auf jeden Fall.

NETTE ERLEBNISSE
Hatten Sie einmal als Lokführerin ein nettes Erlebnis, an das Sie sich gerne erinnern?

Nette Erlebnisse gibt es immer wieder. Wenn ich zum Beispiel mit der S-Bahn in einen Bahnhof einfahre und halte, warten am Bahnsteig oft ganze Familien mit ihren Kindern, die sich begeistert für Züge interessieren. Da wird mir zugewinkt und dann oft auch gefragt, ob sie kurz in den Führerstand schauen dürfen, bevor wieder abgefahren wird. Das sind schöne Erlebnisse.

„ZUERST NIEMAND GEGLAUBT“
Was meinten Ihre Freundinnen und Freunde, als sie von Ihrem neuen Job erfuhren?

Da ich zuvor in der Gastronomie und im Einzelhandel tätig war und mit Technik nie etwas zu tun hatte, hat mir anfangs niemand geglaubt, dass ich eine komplett andere Richtung einschlagen würde. Als ich mit der Ausbildung zur Triebfahrzeugführerin startete und sich in meinem Leben sehr viel um die Eisenbahn drehte, wurden meine Freunde zunehmend neugierig und zeigten sehr viel Interesse an meinem neuen Job. Nachdem ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, waren alle sehr stolz und freuten sich mit mir über meinen Erfolg.

Wenn Sie nicht auf Schienen unterwegs sind – wo kann man Sie in Ihrer dienstfreien Zeit antreffen?
Im Fitnessstudio oder auf einem Berg.

Ähnliche Artikel

- Bezahlte Werbung -spot_img
- Bezahlte Werbung -spot_img

Beliebte Berichte

10.000 PS: „Ich genieße die Ruhe beim Fahren“

Anna-Maria Kuchler, Villacherin, lebt ihren Traumberuf. Nach Jobs in der Gastronomie und im Einzelhandel sattelte die 26-Jährige beruflich um – und wurde Lokführerin.

Wollten Sie immer schon Lokführerin werden?
KUCHLER: Den Beruf hatte ich so eigentlich nie am Schirm, bis ich eines Tages im Internet auf ein Jobinserat der ÖBB gestoßen bin. Das Interesse war auf Anhieb sehr groß, und ich habe mich die Wochen darauf sehr intensiv mit den Aufgabengebieten dieses Jobs beschäftigt. Ich habe mich auch mit Lokführern aus meinem Bekanntenkreis unterhalten und mich daraufhin entschlossen, mich für diesen Job zu bewerben.

UNBESCHREIBLICHES GEFÜHL
Was ist für Sie faszinierend daran, Zuggeräte mit 10.000 PS in der Hand zu haben beziehungsweise zu steuern?
Das Gefühl, das man im Führerstand hat, kann ich gar nicht beschreiben. Es ist einfach toll und überwältigt einen immer aufs Neue.

Wie heißt nun Ihr Beruf genau – Lokführerin?
Lokführer – das ist umgangssprachlich. Die genaue Berufsbezeichnung lautet Universal-Triebfahrzeugführerin

SICHERHEIT – GRÖSSTES AUGENMERK
Welche „Fächer“ beinhaltete die Ausbildung?
Gestartet wurde die einjährige Ausbildung mit einem Techniklehrgang, wobei wir dann das Innenleben einer Lok von vorne bis hinten kennenlernten und wie alles funktioniert. Das wurde dann auch in einer Zwischenprüfung abgefragt. Größtes Augenmerk wird auf die Sicherheit gelegt, also vor allem auch auf mögliche Gefahrenbereiche.

Der Beruf eines Lokführers gilt ja eigentlich als Männersache. Wie kommen Sie mit der männlichen Kollegenschaft zurecht?
Sehr gut, ja (lacht)! Die Zusammenarbeit im Team ist wirklich unkompliziert. Das läuft super! Wenn Fragen auftauchen, werden diese in der Regel intensiv besprochen und diskutiert.

„BEI JEDEM WETTER RAUS“
Was ist in diesem Job besonders herausfordernd?
Das Schönste an dem Job als Lokführerin ist für mich auch gleichzeitig das Herausforderndste. Man ist praktisch drinnen und draußen zugleich und hat das Glück, neben der Arbeit auch die Natur bewundern zu dürfen. Im Winter kann es dann natürlich auch vorkommen, dass man bei starkem Schneefall die Lok an den Zug kuppeln muss, was nicht immer angenehm ist, aber zu unserem Beruf dazugehört. Auch die Nachtschichten sind nicht jedermanns Sache, da das Arbeiten in der Nacht mitunter etwas anstrengend sein kann.

„… UND DER ZUG STEHT“
Wie funktioniert das Sicherheitssystem?
Einen Teil unseres Sicherheitssystems stellt die sogenannte „Sifa“, Sicherheitsfahrschaltung, dar. Dabei handelt es sich um einen Fußtaster welcher die wDiensttauglichkeit des Triebfahrzeugführers überwacht. Um einen plötzlichen Stillstand des Zuges zu vermeiden, muss dieser Taster permanent mit dem Fuß gedrückt und in Abständen von 30 Sekunden einmal kurz losgelassen werden. Wird dieser nicht richtig bedient, erfolgt ein optisches sowie akustisches Signal. Wird darauf nicht reagiert, kommt es schließlich zur Zwangsbremsung des Zuges.

Stundenlang allein im Führerstand mit Riesenverantwortung: Fühlen Sie sich da nicht einsam?
Ich genieße die Ruhe beim Fahren.

Auf welchen Strecken werden Sie derzeit eingesetzt?
Mein Dienst startet immer in Villach. Von dort aus geht es für mich entweder mit Güterzügen Richtung, Tarvis, Jesenice, Knittelfeld oder Kapfenberg. Mit der S-Bahn geht es Richtung Rosenbach, Hermagor, Spittal oder Friesach.

Würden Sie Ihren Job als Ihren Traumberuf bezeichnen?
Auf jeden Fall.

NETTE ERLEBNISSE
Hatten Sie einmal als Lokführerin ein nettes Erlebnis, an das Sie sich gerne erinnern?

Nette Erlebnisse gibt es immer wieder. Wenn ich zum Beispiel mit der S-Bahn in einen Bahnhof einfahre und halte, warten am Bahnsteig oft ganze Familien mit ihren Kindern, die sich begeistert für Züge interessieren. Da wird mir zugewinkt und dann oft auch gefragt, ob sie kurz in den Führerstand schauen dürfen, bevor wieder abgefahren wird. Das sind schöne Erlebnisse.

„ZUERST NIEMAND GEGLAUBT“
Was meinten Ihre Freundinnen und Freunde, als sie von Ihrem neuen Job erfuhren?

Da ich zuvor in der Gastronomie und im Einzelhandel tätig war und mit Technik nie etwas zu tun hatte, hat mir anfangs niemand geglaubt, dass ich eine komplett andere Richtung einschlagen würde. Als ich mit der Ausbildung zur Triebfahrzeugführerin startete und sich in meinem Leben sehr viel um die Eisenbahn drehte, wurden meine Freunde zunehmend neugierig und zeigten sehr viel Interesse an meinem neuen Job. Nachdem ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, waren alle sehr stolz und freuten sich mit mir über meinen Erfolg.

Wenn Sie nicht auf Schienen unterwegs sind – wo kann man Sie in Ihrer dienstfreien Zeit antreffen?
Im Fitnessstudio oder auf einem Berg.

Ähnliche Artikel

- Bezahlte Werbung -spot_img

Beliebte Berichte