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Sonntag, 19. Mai 2024

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„Jede coole Stadt braucht einfach einen Markt“

Der neue Geschäftsführer des Villacher Stadtmarketings, Pierre Bechler (38), gebürtiger Bayer, über seinen Job, wo Handlungsbedarf besteht, Zukunftsvorstellungen oder die Markt-Pläne.

Stadtmarketing gilt als eine der Stellschrauben der Stadtentwicklung – was ist seine primäre Aufgabe?
BECHLER: Nachdem unsere Hauptkunden die Innenstadtbetriebe sind, ist es unsere eigentliche Aufgabe, ein stimmiges Umfeld zu schaffen, damit sich die Unternehmen gut entfalten und ihrem Gewerbe nachgehen können. Das heißt auch, wir haben darauf zu schauen, dass in der Stadt immer etwas läuft, denn von einem guten Grundrauschen kann jeder profitieren. Dafür sorgen wir mit unterschiedlichen strategischen Schwerpunkten.

„BEIM REDN KUMMAN …“
Welche Eigenschaften sind nötig, um einen idealen Stadtmarketing-Manager abzugeben?
Vor allem ist es wichtig, dass man es schafft, die unterschiedlichen Interessenslagen halbwegs auf einen Nenner zu bringen – so nach dem gut bayrischen und kärntnerischen Sinnspruch: „Beim Redn kumman de Leit zsomm!“. Das ist einmal sehr wichtig, weil nachvollziehbar, dass beispielsweise Kaufleute andere Prioritäten verfolgen als Gastronomen, Politiker, Handwerker, Ärzte oder Juristen.

HANDLUNGSBEDARF
Sie sind jetzt nahezu fünf Monate in der Geschäftsführungsfunktion. In welchen Bereichen orten Sie aktuellen oder dringlichen Handlungsbedarf?
Grundsätzlich kann ich sagen, dass in Villach schon überaus viele Aktivitäten vorhanden sind. Wir haben den Advent, Kirchtag, Summerfeeling, Draupuls, die Wohnzimmerkonzerte und vieles mehr. Es ist nicht unbedingt notwendig, wirklich viel Neues zu schaffen, sondern es gilt, das bereits Vorhandene weiterzuentwickeln. Handlungsbedarf sehe ich jedoch aus Stadtmarketing-Sicht beim Handel, der sich aktuell einfach schwerer tut. „Shopping-Night“ ist leicht einmal gesagt, doch für Händler ist es schwierig, bis 20 Uhr offen zu halten und dafür auch das nötige Personal aufzubringen

„FAHREN WIR NACH VILLACH“
Welche Themenbereiche sind für Sie mit Blick in die Zukunft besonders wichtig?
Wichtig wäre, mit adäquaten Konzepten die Peripherie – ich sehe da auch die Fachhochschule – stärker an die Innenstadt zu binden. Der vor Jahren eingeführte City-Bonus, ein geniales Kundenbindungsinstrument mit dem Slogan „Gratis Parken“, sollte aktuellen Erfordernissen angepasst werden, etwa nach der Vorstellung, kostenlos anreisen, konsumieren und dabei Bonuspunkte sammeln, und zwar für die Anreise und Gratisbenutzung auch von Bus und Bahn. Davon könnten sehr viele profitieren, besonders der Handel. Hier gilt es, für den City-Bonus noch mehr Betriebe zu begeistern und dieses Angebot so attraktiv zu gestalten, dass sich die Konsumenten sagen, okay, fahren wir nach Villach.

DIE ENTSCHEIDENDEN PLAYER
Leerstände sind ein Indikator der Innenstadtentwicklung. Wie schaut in dieser Hinsicht die aktuelle Situation aus?
Also, was die Innenstadt betrifft, stehen wir gut da. Da halten wir bei den Leerstandsflächen unter vier Prozent. Wünsche nach größeren Verkaufsflächen können wir derzeit nicht wirklich erfüllen. Allerdings bleibt das Thema „Leerstandsflächen“ natürlich weiterhin ein Thema. Entscheidende Player in dieser Frage sind vor allem die Liegenschaftseigentümer. Es geht darum, die Immobilienbesitzer verstärkt dafür zu sensibilisieren, wie wir gemeinsam die Innenstadt mit einer bunten Vielfalt und gutem Branchenmix entwickeln können. Hier bedarf es einer noch engeren Zusammenarbeit.

ERKENNTNISSE UND ERFAHRUNGEN
Was ist für die Vorweihnachtszeit geplant?
Da können sich die Stadtbesucher auf einiges freuen. Es gibt wieder den Winterwunderwald beim Parkhotel, den Perchtenlauf, den Christkindlmarkt um die Stadtpfarrkirche, die herrliche Weihnachtsbeleuchtung. Wesentlich stärker einbezogen wird heuer der Standesamtsplatz als Platz der Liebe und Entree zum Weihnachtsmarkt. Begeistern wird auch wieder der Nikolaiplatz mit dem Riesenherz. Was Weihnachten anbelangt, sammle ich einmal Erfahrungen, um dann für die nächsten Jahre entscheidende Neuerungen einzuführen.

WAS EINE COOLE STADT NOCH BRAUCHT
Atrio – ginge es der Innenstadt ohne dieses EKZ besser?
Grundsätzlich glaube ich nicht. Generell bin ich der Meinung, eine coole Stadt braucht auch ein Einkaufszentrum, hohe Bildungseinrichtungen und eine pulsierende Innenstadt. Alles zusammen ergibt eine schöne Symbiose. Was noch fehlt, ist ein Markt, weil jede coole Stadt einfach einen Markt hat – wie der Viktualienmarkt in München oder Naschmarkt in Wien. Aber es tut sich was, mit dem Josefsmarkt wird am Kaiser-Josef-Platz mit einem attraktiven Angebot ein wichtiger Akzent gesetzt. Es entsteht ein eigener Marktkomplex, in dem täglich Märkte stattfinden können. Dann schließt sich praktisch ein Kreis und dann braucht’s nicht mehr: Innenstadt gegen Atrio – am Ende entscheidet sowieso der Konsument und Besucher.

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Der neue Geschäftsführer des Villacher Stadtmarketings, Pierre Bechler (38), gebürtiger Bayer, über seinen Job, wo Handlungsbedarf besteht, Zukunftsvorstellungen oder die Markt-Pläne.

Stadtmarketing gilt als eine der Stellschrauben der Stadtentwicklung – was ist seine primäre Aufgabe?
BECHLER: Nachdem unsere Hauptkunden die Innenstadtbetriebe sind, ist es unsere eigentliche Aufgabe, ein stimmiges Umfeld zu schaffen, damit sich die Unternehmen gut entfalten und ihrem Gewerbe nachgehen können. Das heißt auch, wir haben darauf zu schauen, dass in der Stadt immer etwas läuft, denn von einem guten Grundrauschen kann jeder profitieren. Dafür sorgen wir mit unterschiedlichen strategischen Schwerpunkten.

„BEIM REDN KUMMAN …“
Welche Eigenschaften sind nötig, um einen idealen Stadtmarketing-Manager abzugeben?
Vor allem ist es wichtig, dass man es schafft, die unterschiedlichen Interessenslagen halbwegs auf einen Nenner zu bringen – so nach dem gut bayrischen und kärntnerischen Sinnspruch: „Beim Redn kumman de Leit zsomm!“. Das ist einmal sehr wichtig, weil nachvollziehbar, dass beispielsweise Kaufleute andere Prioritäten verfolgen als Gastronomen, Politiker, Handwerker, Ärzte oder Juristen.

HANDLUNGSBEDARF
Sie sind jetzt nahezu fünf Monate in der Geschäftsführungsfunktion. In welchen Bereichen orten Sie aktuellen oder dringlichen Handlungsbedarf?
Grundsätzlich kann ich sagen, dass in Villach schon überaus viele Aktivitäten vorhanden sind. Wir haben den Advent, Kirchtag, Summerfeeling, Draupuls, die Wohnzimmerkonzerte und vieles mehr. Es ist nicht unbedingt notwendig, wirklich viel Neues zu schaffen, sondern es gilt, das bereits Vorhandene weiterzuentwickeln. Handlungsbedarf sehe ich jedoch aus Stadtmarketing-Sicht beim Handel, der sich aktuell einfach schwerer tut. „Shopping-Night“ ist leicht einmal gesagt, doch für Händler ist es schwierig, bis 20 Uhr offen zu halten und dafür auch das nötige Personal aufzubringen

„FAHREN WIR NACH VILLACH“
Welche Themenbereiche sind für Sie mit Blick in die Zukunft besonders wichtig?
Wichtig wäre, mit adäquaten Konzepten die Peripherie – ich sehe da auch die Fachhochschule – stärker an die Innenstadt zu binden. Der vor Jahren eingeführte City-Bonus, ein geniales Kundenbindungsinstrument mit dem Slogan „Gratis Parken“, sollte aktuellen Erfordernissen angepasst werden, etwa nach der Vorstellung, kostenlos anreisen, konsumieren und dabei Bonuspunkte sammeln, und zwar für die Anreise und Gratisbenutzung auch von Bus und Bahn. Davon könnten sehr viele profitieren, besonders der Handel. Hier gilt es, für den City-Bonus noch mehr Betriebe zu begeistern und dieses Angebot so attraktiv zu gestalten, dass sich die Konsumenten sagen, okay, fahren wir nach Villach.

DIE ENTSCHEIDENDEN PLAYER
Leerstände sind ein Indikator der Innenstadtentwicklung. Wie schaut in dieser Hinsicht die aktuelle Situation aus?
Also, was die Innenstadt betrifft, stehen wir gut da. Da halten wir bei den Leerstandsflächen unter vier Prozent. Wünsche nach größeren Verkaufsflächen können wir derzeit nicht wirklich erfüllen. Allerdings bleibt das Thema „Leerstandsflächen“ natürlich weiterhin ein Thema. Entscheidende Player in dieser Frage sind vor allem die Liegenschaftseigentümer. Es geht darum, die Immobilienbesitzer verstärkt dafür zu sensibilisieren, wie wir gemeinsam die Innenstadt mit einer bunten Vielfalt und gutem Branchenmix entwickeln können. Hier bedarf es einer noch engeren Zusammenarbeit.

ERKENNTNISSE UND ERFAHRUNGEN
Was ist für die Vorweihnachtszeit geplant?
Da können sich die Stadtbesucher auf einiges freuen. Es gibt wieder den Winterwunderwald beim Parkhotel, den Perchtenlauf, den Christkindlmarkt um die Stadtpfarrkirche, die herrliche Weihnachtsbeleuchtung. Wesentlich stärker einbezogen wird heuer der Standesamtsplatz als Platz der Liebe und Entree zum Weihnachtsmarkt. Begeistern wird auch wieder der Nikolaiplatz mit dem Riesenherz. Was Weihnachten anbelangt, sammle ich einmal Erfahrungen, um dann für die nächsten Jahre entscheidende Neuerungen einzuführen.

WAS EINE COOLE STADT NOCH BRAUCHT
Atrio – ginge es der Innenstadt ohne dieses EKZ besser?
Grundsätzlich glaube ich nicht. Generell bin ich der Meinung, eine coole Stadt braucht auch ein Einkaufszentrum, hohe Bildungseinrichtungen und eine pulsierende Innenstadt. Alles zusammen ergibt eine schöne Symbiose. Was noch fehlt, ist ein Markt, weil jede coole Stadt einfach einen Markt hat – wie der Viktualienmarkt in München oder Naschmarkt in Wien. Aber es tut sich was, mit dem Josefsmarkt wird am Kaiser-Josef-Platz mit einem attraktiven Angebot ein wichtiger Akzent gesetzt. Es entsteht ein eigener Marktkomplex, in dem täglich Märkte stattfinden können. Dann schließt sich praktisch ein Kreis und dann braucht’s nicht mehr: Innenstadt gegen Atrio – am Ende entscheidet sowieso der Konsument und Besucher.

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