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Sonntag, 19. Mai 2024

Unabhängiges Stadt-Umland-Magazin

Es grünt so grün

Villach und die spanische Stadt Valencia haben nicht nur den Anfangsbuchstaben gemein, sondern auch die „grüne Achse“, die beide Städte bald durchziehen wird. Im Falle Valencias wurde allerdings der gesamte Lauf der dortigen Drau (eigentlich „Turia“) umgeleitet, das über hundert Meter breite Flussbett trockengelegt und darin Orangenbäume und andere mediterrane Vegetation hineinverpflanzt. Der sieben Kilometer lange Stadtpark steht den Stadtbewohner:innen seither zum Radfahren und Flanieren zur Verfügung. Das ist durchaus konsequent.

Da nun auch am Villacher Hauptlatz demnächst die Bäume wie die Schwammerln aus dem säuberlich verlegten Kopfsteinpflaster sprießen, soll aus dem concrete bald ein konkreter Dschungel werden. Mit Sprühnebel und wer weiß, Bananen auf Höhe von Stock zwei des Palais 26? Kaiser Karl den V. würde das wohl freuen. Derweil wird der Untergrund zum Sammelbecken, was dem Underground seit jeher inhärent. Wurzelwerk darf sich dort ins geschichts-geschichtete Erdreich schlagen, mycelgleich durch die planierten Schichten graben und wie ein Schwamm das Regenwasser absorbieren. Von der Stadt nun aufgesaugt, fließt es somit nicht mehr geradewegs in den Kanal und damit in die Drau. Ein erster Schritt zur Trockenlegung wäre also schon getan.

Den Entsiegelring am Finger grünt die Stadt nun grün. Da freut sich auch das Radler:innenherz. Und dem Umland stehen die Schweißperlen groß wie Seen auf der Stirn: Wird die Innenstadt nun zur Radelhauptdestination? Mit schattiger Sodaradler-Labung und E-Bike Aufladestation aus Biomassestrom? Auch wenn die Innenstadt den Radler:innen freundlich gesinnt sein mag, den echten Wald wird die chlorophyllisierte Schwammstadt auf lange Sicht wohl nicht ersetzen. Es sei denn, man schlägt eine grüne Schneise, von der Fellach in die Innenstadt. Im Draubett drin, im trockenen.

Soweit das augenzwinkernde Gedankenspiel. Doch ausgetrocknete Flüsse sind angesichts der zunehmenden Wasserknappheit, nicht nur in Südeuropa, als Alarmsignal zu sehen. Die Begrünung der Villacher Innenstadt und die Renaturalisierung der städtischen Regenwasserdrainage setzen da ein wichtiges Zeichen. Ein schattiger Hauptplatz ist deshalb nur die Spitze dieses richtungsweisenden Projektes.

Simon Martinschitz MA
Agentur für Kommunikation & Text
www.martinschitz.at

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Villach und die spanische Stadt Valencia haben nicht nur den Anfangsbuchstaben gemein, sondern auch die „grüne Achse“, die beide Städte bald durchziehen wird. Im Falle Valencias wurde allerdings der gesamte Lauf der dortigen Drau (eigentlich „Turia“) umgeleitet, das über hundert Meter breite Flussbett trockengelegt und darin Orangenbäume und andere mediterrane Vegetation hineinverpflanzt. Der sieben Kilometer lange Stadtpark steht den Stadtbewohner:innen seither zum Radfahren und Flanieren zur Verfügung. Das ist durchaus konsequent.

Da nun auch am Villacher Hauptlatz demnächst die Bäume wie die Schwammerln aus dem säuberlich verlegten Kopfsteinpflaster sprießen, soll aus dem concrete bald ein konkreter Dschungel werden. Mit Sprühnebel und wer weiß, Bananen auf Höhe von Stock zwei des Palais 26? Kaiser Karl den V. würde das wohl freuen. Derweil wird der Untergrund zum Sammelbecken, was dem Underground seit jeher inhärent. Wurzelwerk darf sich dort ins geschichts-geschichtete Erdreich schlagen, mycelgleich durch die planierten Schichten graben und wie ein Schwamm das Regenwasser absorbieren. Von der Stadt nun aufgesaugt, fließt es somit nicht mehr geradewegs in den Kanal und damit in die Drau. Ein erster Schritt zur Trockenlegung wäre also schon getan.

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Soweit das augenzwinkernde Gedankenspiel. Doch ausgetrocknete Flüsse sind angesichts der zunehmenden Wasserknappheit, nicht nur in Südeuropa, als Alarmsignal zu sehen. Die Begrünung der Villacher Innenstadt und die Renaturalisierung der städtischen Regenwasserdrainage setzen da ein wichtiges Zeichen. Ein schattiger Hauptplatz ist deshalb nur die Spitze dieses richtungsweisenden Projektes.

Simon Martinschitz MA
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