Der Waldverband Österreich vertritt acht regionale Verbände mit über 75.000 Waldbesitzern, die eine Million Hektar Wald bewirtschaften. Mag. Matthias Granitzer (Stockenboi), Obmann des Waldverbandes Österreich, zur aktuellen Situation.
Welche Aufgaben und Ziele verbindet Ihre Funktion?
GRANITZER: Als Bundesobmann des Waldverbandes führe ich zum einen den Vorsitz im Bundesvorstand und in der Vollversammlung. Zum anderen habe ich die Aufgabe, den Waldverband in verschiedenen Fachorganisationen zu vertreten und unsere Interessen gegenüber Wertschöpfungspartnern und politischen Entscheidungsträgern zu kommunizieren. Dabei konzentrieren sich unsere Bemühungen auf die Anliegen unserer Mitglieder.
„WALD IN GUTEM ZUSTAND“
Wie bewertet der Waldverband aktuell den Zustand der heimischen Wälder?
Im Allgemeinen ist unser Wald in einem guten Zustand und erfüllt alle von ihm geforderten Wirkungen. Die sich verändernden klimatischen Bedingungen erfordern jedoch eine entsprechende Anpassung von bisher gewohnten Bewirtschaftungsmaßnahmen. Eine höhere Baumartenvielfalt, zeitgerechte Pflegemaßnahmen und frühere Nutzungszeitpunkte reduzieren die Störungsanfälligkeit der Waldbestände und erhöhen ihre Klimafitness. Wichtig ist es dabei, den Wald aktiv zu bewirtschaften und nicht sich selbst zu überlassen.
ATTRAKTIVE ARBEITSPLÄTZE
Wie trägt der Waldsektor zur regionalen Wertschöpfung bei?
In Österreich werden entlang der „Wertschöpfungskette Holz“ von etwa 300.000 Beschäftigten jährlich etwa 28 Milliarden Euro erwirtschaftet – eine Größenordnung ähnlich dem Tourismus. Dabei bietet die Branche attraktive Arbeitsplätze für hochqualifiziertes Personal, vom Forst- über den Logistikspezialisten bis hin zum Holztechniker und Verkaufsberater. Insbesondere im ländlichen Raum sind die Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft unverzichtbar für Beschäftigung und Einkommen.
ÜBERBORDENDE BÜROKRATIE
Welche Herausforderungen sind damit verbunden – Stichworte: Bürokratie, EU-Verordnungen?
Die leider noch immer zunehmende Bürokratie und Überregulierungen, vor allem von EU-Seite, sorgen derzeit nicht nur für Unklarheit hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit, sondern auch für immer mehr Unverständnis bei den Waldeigentümern. Im Rahmen der europäischen Umweltpolitik rückt der Wald immer mehr in den Fokus, und Umweltlobbyisten sprechen sich klar gegen eine Bewirtschaftung des Waldes aus. Es bedarf daher großer interessenspolitischer Anstrengungen, die aktive Waldbewirtschaftung und die Holzverwendung als Teil der Lösung beim Ausstieg aus der Fossilenergie und der angestrebten CO2-Reduktion zu erklären.
„ES WIRD WÄRMER“
Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Waldbewirtschaftung und die Wertschöpfung aus?
Die genauen Auswirkungen der Klimaveränderung werden wir erst in einigen Jahrzehnten sehen. Faktum ist, es wird wärmer, Wetterextreme nehmen zu und die Perioden von Trockenheit und Nässe werden tendenziell länger. Bei der Baumartenwahl ist daher auf veränderte Standortbedingungen und auf mehr Vielfalt zu achten. Die holzverarbeitenden Betriebe stehen vor der Aufgabe, sich zukünftig vermehrt auf neue Baumarten, speziell auch auf Laubhölzer, einzustellen und beim Holzeinsatz die Effizienz weiter zu erhöhen.
„BEWIRTSCHAFTUNG SCHAFFT VIELFALT“
Wie schätzen Sie die Resilienz der Wälder gegenüber weiteren Extremwetterereignissen ein?
Wie schon erwähnt, sinkt die Resilienz der Wälder ab einem gewissen Alter und macht sie anfällig gegenüber Schadereignissen. Der passende, rechtzeitige Nutzungszeitpunkt sollte daher stets im Auge behalten werden. Die Biodiversität in unseren Wäldern wird oft unterschätzt und wird erst beim genauen Hinschauen sichtbar. Die Bewirtschaftung schafft Vielfalt und Vielfalt braucht Bewirtschaftung.
Welche Maßnahmen werden derzeit zur Schädlingsbekämpfung, Waldgesundheit und Wiederherstellung priorisiert?
Grundsätzlich sollte die Waldbewirtschaftung so erfolgen, dass Schädlingsbekämpfung kein Thema ist. Vor allem bei einem Borkenkäferbefall ist rasches und konsequentes Handeln am wirksamsten. Käferholz beziehungsweise das für einen Käferbefall anfällige Holz sollte aus dem Wald transportiert werden, bevor die heranwachsende Käfergeneration fertig entwickelt ist und ausfliegt. Auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel sollte nach Möglichkeit ganz verzichtet werden.
FÖRDERUNG DES ARTENREICHTUMS
Welche Anpassungsstrategien empfehlen Sie den Waldbesitzern?
Ich empfehle eine aktive Bewirtschaftungsstrategie mit Förderung des vorhandenen Artenreichtums, unter Berücksichtigung aller bereits zuvor angeführten Punkte. Als Basis ist eine entsprechende fachliche Aus- oder Weiterbildung, zum Beispiel an der Forstlichen Ausbildungsstätte des BFW in Ossiach, in jedem Fall hilfreich. Auch die Unterstützung durch forstliche Serviceorganisationen, wie des Waldverbandes, wäre Teil einer Strategie für die Umsetzung einer fachgerechten Waldbewirtschaftung.
„Der Wald sorgt für Einkommen, Schutz vor Naturgefahren, sauberes Wasser, reine Luft und ist Erholungsraum.“
Obmann Mag. Matthias Granitzer
EINKOMMEN UND ERHOLUNGSRAUM
Was steht auf Ihrer Wunsch- beziehungsweise Forderungsliste ganz oben auf, um in Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Waldbesitzern nachhaltige Ergebnisse zu erreichen?
Entscheidend ist, dass stets Sachthemen und nicht persönliche Befindlichkeiten im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen. Der Wald sorgt nicht nur für Einkommen, sondern auch für Schutz vor Naturgefahren, sauberes Wasser und reine Luft und ist Erholungsraum. Das kommt uns zwar allen zugute, die Hauptverantwortung dafür tragen jedoch die einzelnen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Wenn es gelingt, dass trotz unterschiedlicher Nutzungsinteressen stets Verständnis für das Gegenüber gezeigt und der Waldeigentümer in seiner zentralen Rolle wertgeschätzt wird, ist die Chance sehr groß, auch etwaige Zielkonflikte zu lösen.
„VIEL KOMMUNIKATION ERFORDERLICH“
Verbissschäden durch Wild sind immer wieder ein Thema. Sollten angesichts der belasteten Wälder die aktuellen Jagdpraktiken überdacht werden?
Das Wildeinfluss-Monitoring des Bundesforschungszentrums für Wald zeigt für den Bezirk Villach langfristig einen positiven Trend. Auf mehr als 50 Prozent der Erhebungsflächen wird der Wildeinfluss aber noch immer als mittel (14,3 Prozent) und stark (37,5 Prozent) klassifiziert. Um Bewusstsein und Verständnis für eine regional „passende“ Wilddichte zu schaffen, ist viel Kommunikation zwischen Grundeigentümern und Jägern erforderlich.





