Christiane Wassertheurer zählt zu den prominentesten Persönlichkeiten des ORF und informiert das Land täglich im ZIB Flash und in der ZIB 100. Die gebürtige Villacherin ist aber auch Kinderbuchautorin und hegt eine Leidenschaft für Afrika.
Frau Wassertheurer, Sie sind als ORF-Moderatorin täglich in vielen österreichischen Wohnzimmern präsent. War es immer schon Ihr Ziel, Fernsehmoderatorin zu werden?
WASSERTHEURER: Eine Affinität zu Medien hatte ich schon als Schülerin, speziell zum Fernsehen. Aber dass es ein Ziel war, kann ich nicht sagen. Nach dem Germanistik- und Philosophiestudium wollte ich ins „echte Leben“ hinein und habe bei Antenne Steiermark angeheuert. Danach kam eines zum anderen. Ich habe Gelegenheiten ergriffen, wenn sie sich ergeben haben.
KEIN TAG GLEICHT DEM ANDEREN
Was würden Sie sagen, lieben Sie an Ihrem Beruf?
Jeder Tag ist voller Überraschungen, und man ist immer mittendrin im Geschehen. Das ist eine schöne Herausforderung. Kein Tag gleicht dem anderen. Man hat zwar fixe Dienste, mal Moderation, mal Redaktion, aber was genau an dem Tag passieren wird, das weiß man vorher nicht. Das finde ich, ist das Schöne an meinem Job. Außerdem mag ich das Arbeiten im Team, um gemeinsam die beste Sendung „On air“ zu bringen.
SCHWER ZU VERDAUEN
Als Medienkonsument hat man das Gefühl, es vergeht kein Tag ohne neue Schreckensmeldung. Ist das für Sie auch manchmal belastend?
Auf jeden Fall. Gerade Nachrichten wie etwa das Attentat in Villach belasten mich natürlich auch privat. Wenn man die Stadt und die Menschen dort kennt, ist so etwas schwer zu verdauen. Ich habe aber auch den Eindruck, dass die Katastrophenmeldungen in letzter Zeit überhandgenommen haben. Und es ist schwieriger geworden, sich selbst bei Laune zu halten.
DOPPELT UND DREIFACH CHECKEN
Wie beeinflussen KI und Fakenews ihren Arbeitsalltag?
Es ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits erleichtern KI-Tools die tägliche Arbeit, etwa um Interviews zu verschriftlichen oder sich schnell einen Überblick über große Datenmengen zu verschaffen. Andererseits werden auch die Fakes immer besser. Beim Überprüfen von Nachrichten müssen wir heute noch genauer hinschauen als früher, speziell bei „Eilmeldungen“ oder Nachrichten auf Social Media. Da muss man sehr misstrauisch sein. Bei der ZIB haben wir dafür ein eigenes Team, das Nachrichten doppelt und dreifach checkt, bevor sie in die Sendung kommen.
IM KINDERBUCH IST ALLES MÖGLICH
Als Autorin haben Sie bereits mehrere Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und wurden mit dem Kärntner Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Was motiviert Sie dazu?
Kinder dürfen ihr Temperament und ihre Launen ausleben, das finde ich toll. Im Kinderbuch ist alles erlaubt. Das ist ein guter Ausgleich zu den Nachrichten. Die Reihe „Verflixt, Verdachst und Zugenäht“ habe ich zusammen mit meinem Schulfreund Markus Wagenhofer gemacht. Das war in erster Linie ein Riesenspaß für uns. Wir sind beide im engen Kontakt mit der Natur aufgewachsen, und ich finde, dass man diese Freude auch jungen Menschen weitergeben sollte. Ein neues Dachs-Abenteuer ist übrigens bereits fertig, und wir suchen gerade nach einem Verlag.
PFLICHTTERMIN: FASCHING
Sie wurden in Villach geboren und sind in Jenig im Gailtal aufgewachsen. Haben Sie nach wie vor einen Bezug zur Draustadt?
In letzter Zeit komme ich leider viel zu selten nach Villach. Aber in meiner Schulzeit war ich sehr viel in der Stadt unterwegs. Der Fasching war immer ein Pflichttermin: erst der Umzug am Hauptplatz und danach um die Häuser ziehen. Außerdem gefällt mir an Villach die unmittelbare Nähe zu Slowenien und Italien. Ich finde, diesen gemeinsamen Lebensraum sollte man noch weiter stärken. Auch was die Verkehrsinfrastruktur angeht. Da ist noch Luft nach oben.
EIGENER MENSCHENSCHLAG
Privat hegen Sie eine große Leidenschaft für Afrika. Vielleicht, weil das Gailtal geologisch bereits zur afrikanischen Kontinentalplatte gehört?
Ja, die Gailtaler sind schon auch ein eigener Menschenschlag [lacht]. Aber mein Bezug zu Afrika kommt daher, dass ein Teil meiner Verwandtschaft in Südafrika und eine gute Freundin von mir in Namibia leben. Da bin ich hin und wieder zu Besuch, weil ich finde Afrika absolut faszinierend. Die Landschaft ist wunderschön und die Menschen sind irrsinnig freundlich und lebensfroh, obwohl sie oft sehr arm sind. Überall wird gesungen – wie in Kärnten ja auch. Da gibt es Gemeinsamkeiten. Italien etwa fördert Projekte, in denen Menschen aus Afrika in verlassenen Bergdörfern eine neue Existenz aufbauen könnten. Eine spannende Idee gegen die Landflucht, die ja leider auch in unserer Region immer mehr zum Problem wird …





