Carmen Possnig (38) wäre als Astronautin die erste Österreicherin im Weltall. Die Kärntner Weltraummedizinerin (Uni Innsbruck) absolviert derzeit als ESA-Reserveastronautin Trainingseinheiten im Europäischen Astronautenzentrum in Köln. Aus 22.500 Bewerbenden wurde sie als eine von 17 nominiert.
Wie ist es Ihnen gelungen, es in den Olymp der europäischen Raumfahrt ESA zu schaffen, wie kam es dazu?
POSSNIG: Astronautin zu werden – davon habe ich schon als Kind geträumt. Es gibt verschiedene Wege, allerdings keinen eindeutigen dorthin. Das kann man nicht einfach studieren. Das lässt sich zum Beispiel auch von den Lebensläufen angehender Astronauten auf der ESA-Homepage ablesen. Es sind Ingenieure, Piloten, Bewerber mit militärischem Hintergrund, Wissenschaftler, Forscher und Ärzte dabei. Als Medizinerin war mir wichtig, den Schritt in die Laborforschung zu machen. Das hat mich wahnsinnig fasziniert und zählt in der Raumfahrt zu den Hauptaufgaben. Zusätzlich habe ich Erfahrungen gesammelt, wie etwa bei meinem Forschungsjahr als Concordia-Stationsärztin in der Antarktis oder beim Tauchen und Bergsteigen. Damit passt man von der Persönlichkeit her gut in den Job.
ANSTRENGEND UND SCHWIERIG
Was hat Sie beim Auswahlprozess besonders gefordert?
Wir waren von Beginn an rund 22.500 Bewerberinnen und Bewerber. Es waren sechs Qualifikationsschritte zu durchlaufen. Am Ende waren wir nur noch ein paar Kandidaten übrig. Zwischen den ESA-Ausleseprozessen war oft monatelang Wartepause, in der einem nicht klar war, kommt man weiter oder nicht. Weil wir nicht wussten, was an Aufgaben auf uns zukommt, war das Trainieren für den nächsten Schritt das Anstrengendste und Schwierigste.
Was ist Ihnen eher leichtgefallen?
Teamarbeit oder Arbeiten unter Stress sind mir stets eher leicht gefallen. Das sind ähnliche Fähigkeiten, die ich in dem Jahr in der Antarktis entwickeln konnte. Wir waren ein kleines Team und auf längere Zeit oft in sehr stressvollen Situationen.
„STETS SEHR SPANNEND“
Was sind die wichtigsten Ausbildungsbereiche?
Da ist viel Praxis dabei, wie beispielsweise auch Winterüberlebenstraining. Dann tauchen wir viel. Im zehn Meter tiefen ESA-Pool sind Mock-up-Module versenkt, also die realistische Nachbildung von Teilen der Internationalen Raumstation. Dieses Schweben im Wasser ist ähnlich wie das Bewegungsgefühl in der Schwerelosigkeit. Dann steht natürlich viel Theorie und Technik mit Experten im Klassenzimmer an. Wie kommt ein Raumschiff in den Orbit? Was ist bei einem Mondflug zu beachten?
„WIE AUF EINER ACHTERBAHN“
War Training in der Schwerelosigkeit bereits Teil des Trainingsprogramms?
Ja, mit einem simulierten Parabelflug als spezielles Flugmanöver, bei dem für etwa 22 Sekunden ein Zustand der Schwerelosigkeit erzeugt wird. Das ist ein bisschen wie auf einer Achterbahn, wenn man so über diesen Gleisbogen fährt – das kurze Gefühl des Schwebens. In der Schwerelosigkeit wird auch geübt, wie man Werkzeuge einsetzt oder sich besonders energiesparend fortbewegt.
EINE NEUE MISSION
Sie haben mittlerweile den Status einer Reserveastronautin. Was ist darunter zu verstehen, Sie könnten im Falle des Falles zu einem realen Weltraum-Einsatz berufen werden?
Ja, die ESA hat 12 Reserveastronauten ausgewählt. Dieses System gibt den jeweiligen Ländern die Chance, ihre Astronautinnen und Astronauten mit selbst gewählten Aufgaben ins All zu senden. Schweden und Polen haben solche Missionen bereits absolviert. Entscheidet sich Österreich dafür, dann könnte unser Land fürs All das gesamte Programm zusammenstellen und ich könnte die Projekte auf der Internationalen Raumstation durchführen.
DIE ERDE GEHT AUF
Welche Mission käme für Sie in Frage, wenn Sie es selber bestimmen könnten?
Realistisch ist natürlich eine Mission auf der internationalen Raumstation oder auf einer der kleineren Nachfolgestationen, die es geben wird. Wenn ich selber bestimmen könnte, hätte ich den Mond im Auge. Es muss wahnsinnig schön sein, vom Mond aus die Erde als kleine Kugel vor sich zu sehen und auch zu sehen, wie die Erde ähnlich wie der Mond bei uns aufgeht.
„20 JAHRE VOM MARS ENTFERNT“
Wie weit sind wir Ihrer Ansicht nach zeitlich noch vom Mars entfernt?
Ich denke, so ungefähr 20 Jahre. Also die Schulkinder von heute könnten die Menschen sein, die als erste den Mars betreten. Es gibt in dieser Hinsicht noch vieles zu erforschen, gerade im medizinischen Bereich. Die Menschen sollen ja wieder gesund zurückkommen. Es wäre mit ungefähr drei Jahren eine lange Mission und für den Körper extrem belastend. Technisch gesehen wäre ein Marsflug schon fast möglich. Im Raumschiff müsste natürlich genügend Platz vorhanden sein, damit die Besatzung zum Beispiel Sport betreiben und die mentalen Herausforderungen gut bewältigen kann.





