Als ich mich als Jugendlicher vor der Stellungskommission wiederfand, stand bereits fest, dass mit mir kein Krieg zu gewinnen sein wird. Überzeugt davon, beim Roten Kreuz einen sinnvolleren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, entschied ich mich damals für den Zivildienst – und verpflichtete mich damit, zu neun Monaten gemeinnütziger Arbeit.
Heute, gut 15 Jahre später, ist die Welt eine andere. Der Krieg ist zurück in Europa, und der Kontinent taumelt zwischen zerbröckelnden Seilschaften und unklaren Zukunftsvisionen. Inmitten dieser Gemengelage wird die Berufung auf die Neutralität keinen zuverlässigen Schutz bieten. So viel steht fest. Fest steht auch, dass das Bundesheer im aktuellen Zustand wohl kaum in der Lage wäre, das Land im Falle einer militärischen Konfrontation effektiv zu verteidigen. Ob die Verlängerung des Grundwehrdienstes auf acht Monate plus Milizübungen daran etwas ändern kann, vermag ich nicht zu beurteilen.
Allerdings beurteile ich die derzeitige Diskussion, und zwar als am Ziel vorbei geführt. Denn bei der Einsatzfähigkeit der Landesverteidigung spielen Meinungen und Befindlichkeiten der Bevölkerung – mit Verlaub – eine untergeordnete Rolle. Immerhin handelt es sich beim Bundesheer um einen Militärkörper, der mit gutem Grund streng hierarchisch geführt wird.
Rekruten werden auch nicht gefragt, ob sie stets bereit sind, die Republik mit ihrem Leben zu verteidigen. Das wird vorausgesetzt. Ebenso sollte vorausgesetzt werden dürfen, dass die politische Führung bei Fragen der Landesverteidigung strategisch und entschlossen vorgeht und tut, was objektiv notwendig erscheint. Letztlich wurde 2006 auch nicht gefragt, ob der Grundwehrdienst reduziert werden sollte. Doch die Zeiten der Schönwetterpolitik sind vorbei und doch will man sich nach wie vor an unbeliebten Entscheidungen nicht die Finger verbrennen.
P.S.: Vielleicht wäre ein Blick auf die nüchterne Herangehensweise des Herrn Finanzministers hilfreich, der dem ganzen Land die Gürtel enger schnallt und dennoch die mit Abstand besten Umfragewerte der Regierungsmitglieder vorweisen kann. Schneid zu haben zahlt sich eben doch meistens aus.
Simon Martinschitz MA
Agentur für Kommunikation & Text
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