Zwischen Boxencrew und Fahrer: Julia Tiefnig (26) aus Feistritz/Drau betreut im Team die Königsklasse. Im Gespräch mit ihr und über ihren Alltag in der Formel-1-Welt.
Sie betreuen im Schweizer Formel-1-Sauber-Team weltweit die Tempo-Asse. Wie kam es dazu?
TIEFLING: Dazu kam es eigentlich sehr spontan, durch einen Bekannten. Ich war auf der Suche nach Veränderung, und das hat dann genau gepasst. Nach meiner Bewerbung bin ich ins Team aufgenommen worden und konnte dann im Vorjahr etwa an der Hälfte der insgesamt 24 Rennen teilnehmen.
VOR ALLEM FÜRS CATERING
Was genau ist Ihre Aufgabe im Team?
Wir sind vor allem für das Catering zuständig, schauen aber auch darauf, dass im Boxbereich alles sauber ist, die Räumlichkeiten fürs Marketing und Management arrangiert sind und die Fahrer ihre Ausstattungs- und Versorgungsgegenstände genau an ihren gewohnten Stellen vorfinden.
DIE ERSTEN UND DIE LETZTEN …
Welche Rolle spielt Ihr Team während des laufenden Rennens?
Wir sind eigentlich für alles zuständig. Ohne uns funktioniert nichts: Das kann ich so sagen. Wir sind die ersten an der Strecke und die letzten, die gehen. Wir richten alles her, machen alles ready für den Renntag – vom Frühstück, Mittagessen, den Snacks bis zum Abendessen.
„GANZ NORMALE MENSCHEN“
Wie erleben Sie die Stars – mit Allüren oder als normale Menschen wie du und ich?
Also, ich kann sagen, das sind alles ganz normale Menschen. Im Paddock, also im abgegrenzten Boxenbereich, trifft man schon einmal mit einem Lewis Hamilton zusammen, oder Fernando Alonso läuft vorbei. Die Fahrer grüßen dich, sie sind stets sehr freundlich.
ANSTRENGENDE RENNWOCHENENDEN
Wie bereiten Sie sich auf ein Rennwochenende vor?
Spezielle Rituale habe ich dabei nicht. Aber ich stelle mich schon im Kopf darauf ein, dass die Rennwochenenden anstrengend sind. Es ist bei mir eher so, dass ich mir nach dem Rennen in der Regel zwei Tage herausnehme, runter komme und dann länger schlafe, als an den anderen Tagen.
Erledigen Sie an den jeweiligen Rennorten nur Ihren Job – oder ist emotional schon mehr daraus geworden?
Am Anfang war es nur ein Job, aber mittlerweile ist alles rund um die Rennen für mich schon zu einer echten Passion geworden.
Was macht die Formel-1-Rennen für Sie so faszinierend?
Vor allem einmal, dass man alles so hautnah miterleben kann und Einblicke hinter die Kulissen hat und sieht, was hier wirklich abgeht – auch von der ganzen Logistik her. Faszinierend sind natürlich auch die schnellen Rennautos, wenn sie ganz nah mit 300 km/h vorbeirasen. Das ist halt schon ein ganz besonderes Feeling.
Gibt es Fahrer, mit denen Sie besonders mitzittern?
Natürlich einmal besonders mit den Fahrern des eigenen Teams, also im Vorjahr Nico Hülkenberg aus Deutschland und Gabriel Bortoleto aus Brasilien. Das sind zwei total liebe Menschen, die ich von Anfang an ins Herz geschlossen habe. Auch beim erfolgreichen Max Verstappen und Lewis Hamilton bin ich emotional immer dabei.
SINGAPUR – GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG
Was sind für Sie die herausforderndsten Rennen?
Für mich war das herausforderndste Rennen, das ich je erlebt habe, in Singapur. Da war einmal der Zeitunterschied von über sechs Stunden, die enorm hohen Lufttemperaturen und die Wetterumschwünge von heiß auf kalt innerhalb kürzester Zeit mit mindestens 20 Grad Unterschied. Eine totale Herausforderung war auch die Arbeitszeit, und zwar von Mittag bis vier Uhr früh am nächsten Tag.
VORLIEBEN DER PILOTEN
Pflegen ikonische Fahrer wie Alonso, Hamilton, Verstappen oder Leclerc auch bestimmte Vorlieben?
Ja, bestimmte Vorlieben werden schon gepflegt, spezielle Rituale, die die Fahrer für sich rund um die Rennen entwickelt haben. Bei den Piloten des eigenen Teams, also im Vorjahr Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto, kriegt man ihre Vorlieben leichter mit – dass sie sich vor dem Rennen zurückziehen und sich mental vorbereiten.
ZEIT ZUM CHILLEN
Findet sich auch Zeit, um die Umgebung der Rennorte näher zu erforschen?
Also, die Rennen in Europa sind herausfordernder als jene in Übersee. Das hängt auch damit zusammen, dass wir mit Transportfahrzeugen unterwegs sind und schauen müssen, dass die Aufbauarbeiten rechtzeitig geschafft werden. Das fällt bei den Übersee-Rennen größtenteils weg. Da bleiben auch unter der Woche mehr Zeit zum Chillen und die Umgebung der Rennorte etwas näher anzuschauen.





