Hebamme Michaela Steiner lebt in Klagenfurt – und ist trotzdem für Villach-Stadt da. Mit Kassenvertrag, viel Erfahrung und einem Blick, der Familien beruhigt, wenn alles neu ist: ein Baby, ein Körper, ein Leben im Umbruch. Wir haben mit ihr über ihr System, ihre Berufung – und die stillen Wunder nach der Geburt gesprochen.
Michaela, du wohnst in Klagenfurt – arbeitest aber als Kassenhebamme für Villach-Stadt. Wie geht das zusammen?
STEINER: Das ist tatsächlich ganz klar geregelt: Mein Berufssitz ist in Villach-Stadt, dort liegt auch mein Kassenvertrag. Der Wohnort ist davon unabhängig. Die Verträge sind bezirksbezogen vergeben, damit die Versorgung fair verteilt ist – und nicht alle in den selben Bereichen tätig sind.
„KEINE KOSTEN“
Was heißt „Kassenhebamme“ konkret für Familien?
Für die Frauen heißt es vor allem: keine Kosten, denn unsere Arbeit läuft als E-Card-Leistung, was viele nicht wissen. Es gibt Anspruch auf ein Beratungsgespräch zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche. Im Schnitt sind es sieben bis neun Hausbesuche in den ersten zwei bis drei Monaten nach der Geburt, abhängig von der tatsächlichen Mutterschutzzeit. Die Abrechnung erfolgt direkt mit der Kasse – die Familien zahlen nichts.
Wie viele Familien begleitest du?
Im Monat sind es oft acht bis zwölf Familien, manchmal weniger. Übers Jahr gerechnet komme ich meist auf 100 bis 120 – je nachdem, ob ich auch Vertretungen übernehme.
„INTENSIV UND SCHÖN“
Begleitest du auch Geburten?
Heute nicht mehr. Ich habe ein paar Jahre Hausgeburten mit einer Kollegin begleitet, aber irgendwann wurde mir die 24/7-Rufbereitschaft mit drei Kindern schlicht zu herausfordernd. Geburten zu begleiten gehört zu den intensivsten und schönsten Momenten überhaupt, aber meine Arbeit im Wochenbett ist genauso wesentlich. Da entsteht oft die Ruhe, die Familien brauchen.
„DA HAT ES MICH GEPACKT“
Du warst vorher Physiotherapeutin. Wie bist du Hebamme geworden?
Witzigerweise hat mir schon als Teenager ein Berufsorientierungstest die Eignung zur „Hebamme“ ausgespuckt – und ich konnte mir damals gar nichts darunter vorstellen. Ich habe zuerst Mathematik-Lehramt studiert, dann eine Massageausbildung gemacht und schließlich Physiotherapie. In der Ausbildung kamen meine ersten beiden Kinder zur Welt – zu Hause, mit Hebammenbegleitung. Da hat es mich gepackt. Und nach der zweiten Geburt wusste ich: Ich will lieber in der Hebammen-Ausbildung sitzen, als in der Physiotherapie. Dieser Wunsch hat mich nicht mehr losgelassen.
„DAS IST KEIN SPAZIERGANG“
Und dann?
Es wurde für mich immer klarer, dass ich mir nicht irgendwann vorwerfen will, diese Chance nicht genutzt oder zu lange gewartet zu haben. Ich wollte einfach das machen, was ich wirklich will. Trotz drei Kindern und einem guten Job habe ich es schließlich gewagt, die Aufnahmeprüfung zur Hebammenausbildung zu machen – und ergatterte tatsächlich einen Platz! Wer sich schon einmal beworben hat dafür, weiß: Das ist kein Spaziergang. Zuerst erwartet dich ein Computertest, dann ein Interview, und es bewerben sich viele hundert Menschen auf wenige Plätze.
Du hast damit geschafft, was du dir erträumt hast. Was genau machst du in der Nachbetreuung – was ist dein „Herzstück“?
Ich komme nach Hause, schaue, höre zu, beruhige. Es geht um Stillen, Wundheilung, Babygewicht, Schlaf, Tränen – aber auch um etwas Größeres: Dass eine Frau spürt: Ich kann das. Und dass sich aus mehreren Menschen Schritt für Schritt eine Familie formt.
„DAS SIND ECHTE HIGHLIGHTS“
Gibt es Momente, die dich besonders berühren?
Ja. Wenn Frauen verunsichert oder ängstlich in die Schwangerschaft starten – und sie dann im Wochenbett eine unglaubliche Stärke entwickeln. Oder wenn alles „perfekt geplant“ war und es dann holpert: Kaiserschnitt, Stillstart schwierig, Erschöpfung. Und man begleitet diese zwei, drei Monate – bis zunehmend Ruhe einkehrt. Das sind echte Highlights. Und dann wird man als Hebamme wieder darin bestärkt, warum dieser Job so wertvoll ist.
„RESPEKT UND NEUGIER“
Muss man eigene Kinder haben, um Hebamme zu sein?
Nein, das würde ich nicht sagen. Entscheidend ist etwas anderes: Ein Herz für Frauen und Familien zu haben sowie Respekt und Neugier auf dieses neue Leben. Es gibt Kolleginnen (und inzwischen auch Kollegen), die das großartig machen – mit oder ohne eigene Kinder.
Denkst du schon an so etwas wie „danach“ – also an die Pension? Oder wirst du so lange es geht Hebamme bleiben?
Ich kann mir gut vorstellen, das länger zu machen – vielleicht in anderer Form. Wenn etwas deine Berufung ist, hörst du nicht einfach damit auf. Du findest neue Wege dafür.
Interview: Jara Media





