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Samstag, 2. Mai 2026

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„Arbeitslosigkeit in Villach trotz Rezession abgebaut“

Welche Berufe derzeit besonders gefragt sind, die Rolle der Uni Klagenfurt, wie dem Fachkräftemangel gegengesteuert wird, rückläufige Arbeitslosenquote, insbesondere in Villach. Im Gespräch mit Mag. Peter Wedenig, AMS-Landesgeschäftsführer Kärnten.

Im Dezember wurde die Koralmbahn eröffnet. Was erwarten Sie sich damit für den Arbeitsmarkt?
WEDENIG: Wir kommen über die Mobilitätsachse zu einer neuen Jobachse und bauen den Arbeitsmarkt Süd neu auf. Wir erwarten uns – wir kooperieren ja schon länger mit unseren steirischen Kollegen – über Arbeitsuchende und offene Stellen einen guten Austausch. Der Arbeitsmarkt Süd ist völlig neu zu betrachten, über die Grenzen hinaus. Wir werden die Chancen nutzen.

GESUNDHEIT UND SOZIALBERUFE
Welche Branchen wachsen in Kärnten momentan besonders?
Einmal umgekehrt betrachtet: Wir haben zwei Branchen, die 2025 massiv an Beschäftigten verloren haben, und zwar der Handel mit einem generell strukturellen Problem und der Bereich Produktion mit konjunkturbedingten Ursachen. Gesundheit, Sozialberufe und alles, was damit verbunden ist, wachsen besonders stark und werden in Zukunft weiter wachsen. Das hängt auch mit der demografischen Entwicklung zusammen.

„ES GIBT KEINEN KNOPF“
Wo gibt es Fachkräftemangel und wie wird gegengesteuert?
Fachkräftemangel registrieren wir nahezu in jedem Bereich, weil sich der Kärntner Arbeitsmarkt – die Arbeitslosigkeit nahm kaum zu – trotz zweijähriger rezessiver Stimmung als äußerst stabil erwiesen und sich gut entwickelt hat. Dementsprechend steigt auch der Bedarf an Fachkräften. Es gibt aber keinen Knopf, den man betätigt, und die Fachkräfte sind da. Es sind viele, viele kleine Bausteine nötig. Der größte Baustein, den wir haben, ist die Qualifizierung. Weiter gilt es, die Betriebe dazu zu animieren, ihre weniger qualifizierten Beschäftigten intern weiter zu befähigen. Ein zentrales Thema ist die Förderung der Lehrstellen, denn die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen.

Welche Jobs haben Zukunft?
Auf jeden Fall alles, was in Richtung technologische und soziale Kompetenzen geht. Genau dies werden wir in jedem dieser beiden Berufsfelder vermehrt brauchen, egal, welche Berufsfelder zukünftig begleitend dazu entstehen.

BILDUNGSMARKT SÜD
Wie wirkt sich die demografische Entwicklung auf den Arbeitsmarkt aus, etwa durch Alterung oder Abwanderung speziell junger Fachkräfte?
Das Bildungssystem und die Bildungsangebote, die hier zur Verfügung stehen, sind für Jugendliche ein entscheidender Faktor. Die Uni Klagenfurt ist dafür mit neuen, zusätzlichen Lehrstunden wie Robotik ein wesentlicher Faktor. Obwohl wir, realistisch gesehen, kaum eine Technik-Uni nach Kärnten bekommen werden, ist es erfreulich, dass der Uni-Standort Klagenfurt in dieser Hinsicht massiv erweitert wird. Das wird junge Menschen eher dazu bewegen, im Land zu bleiben. Das Bildungsangebot Stück für Stück zu erweitern, besitzt für das AMS oberste Priorität. Auch im Sinne von: den Arbeitsmarkt Süd in einen Bildungsmarkt Süd umzubauen.

ARBEITSLOSENZAHL STARK RÜCKLÄUFIG
Wie entwickelt sich die Arbeitslosenquote in Kärnten im Österreich-Vergleich?
Sehr erfreulich, denn der Unterschied zwischen Kärnten und Österreich war immer sehr hoch. 1,8 Prozentpunkte betrug der Unterschied 2016. Mittlerweile, also 2025, sind wir auf 0,1 Prozentpunkte heruntergesunken. Das spiegelt sich auch im starken Rückgang der Arbeitslosigkeit wieder. Seit 2016 haben wir im Jahresschnitt rund ein Drittel an Arbeitslosen weniger.

Wie sieht die aktuelle Beschäftigungssituation im Bereich des AMS Villach aus?
Von der Gesamtbetrachtung her, also von 2017 weg, ist die Beschäftigtenzahl von 48.335 auf 51.900 im Jahre 2025 gestiegen. Das heißt, dass sich die Beschäftigtensituation sehr positiv entwickelt hat und nach Rückmeldungen der Betriebe der Beschäftigtenstand weiter steigt. Villach und Wolfsberg waren 2025 die einzigen Bezirke, die Arbeitslosigkeit abbauen konnten, obwohl das Vorjahr wirtschaftlich gesehen kein ruhmreiches Jahr war.

Wie viele Menschen waren im Vorjahr in Villach durchschnittlich ohne Arbeit, wohin tendiert die Entwicklung?
Ungefähr 4.500 Personen. Das sind 94 weniger als ein Jahr zuvor. Tendenziell gesehen liegt Villach gut. 2017 waren noch 6.000 Menschen ohne Arbeit, also eine Verminderung um 1.500. Es hat sich von den Einwohnern und dem Arbeitskräftepotenzial in der Gesamtentwicklung der Stadt und ihrer Umgebung einiges bewegt.

NEU AN DER MARIA GAILER STRASSE
Das AMS Villach übersiedelt an die Maria Gailer Straße – weshalb?
Die Systematik besteht darin, dass wir praktisch alle zehn Jahre die räumliche Infrastruktur dahingehend durchleuchten, ob sie den geänderten Erfordernissen und organisatorischen Abläufen noch entsprechen. Das hat in Villach nicht mehr gepasst. An der Maria Gailer Straße werden wir all das umsetzen können, was ein modernes AMS heute zu leisten hat. Nachdem wir kosten- und zeitmäßig im Plan sind, gehen wir davon aus, dass wir im Juli siedeln und im Herbst offiziell eröffnen.

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Welche Berufe derzeit besonders gefragt sind, die Rolle der Uni Klagenfurt, wie dem Fachkräftemangel gegengesteuert wird, rückläufige Arbeitslosenquote, insbesondere in Villach. Im Gespräch mit Mag. Peter Wedenig, AMS-Landesgeschäftsführer Kärnten.

Im Dezember wurde die Koralmbahn eröffnet. Was erwarten Sie sich damit für den Arbeitsmarkt?
WEDENIG: Wir kommen über die Mobilitätsachse zu einer neuen Jobachse und bauen den Arbeitsmarkt Süd neu auf. Wir erwarten uns – wir kooperieren ja schon länger mit unseren steirischen Kollegen – über Arbeitsuchende und offene Stellen einen guten Austausch. Der Arbeitsmarkt Süd ist völlig neu zu betrachten, über die Grenzen hinaus. Wir werden die Chancen nutzen.

GESUNDHEIT UND SOZIALBERUFE
Welche Branchen wachsen in Kärnten momentan besonders?
Einmal umgekehrt betrachtet: Wir haben zwei Branchen, die 2025 massiv an Beschäftigten verloren haben, und zwar der Handel mit einem generell strukturellen Problem und der Bereich Produktion mit konjunkturbedingten Ursachen. Gesundheit, Sozialberufe und alles, was damit verbunden ist, wachsen besonders stark und werden in Zukunft weiter wachsen. Das hängt auch mit der demografischen Entwicklung zusammen.

„ES GIBT KEINEN KNOPF“
Wo gibt es Fachkräftemangel und wie wird gegengesteuert?
Fachkräftemangel registrieren wir nahezu in jedem Bereich, weil sich der Kärntner Arbeitsmarkt – die Arbeitslosigkeit nahm kaum zu – trotz zweijähriger rezessiver Stimmung als äußerst stabil erwiesen und sich gut entwickelt hat. Dementsprechend steigt auch der Bedarf an Fachkräften. Es gibt aber keinen Knopf, den man betätigt, und die Fachkräfte sind da. Es sind viele, viele kleine Bausteine nötig. Der größte Baustein, den wir haben, ist die Qualifizierung. Weiter gilt es, die Betriebe dazu zu animieren, ihre weniger qualifizierten Beschäftigten intern weiter zu befähigen. Ein zentrales Thema ist die Förderung der Lehrstellen, denn die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen.

Welche Jobs haben Zukunft?
Auf jeden Fall alles, was in Richtung technologische und soziale Kompetenzen geht. Genau dies werden wir in jedem dieser beiden Berufsfelder vermehrt brauchen, egal, welche Berufsfelder zukünftig begleitend dazu entstehen.

BILDUNGSMARKT SÜD
Wie wirkt sich die demografische Entwicklung auf den Arbeitsmarkt aus, etwa durch Alterung oder Abwanderung speziell junger Fachkräfte?
Das Bildungssystem und die Bildungsangebote, die hier zur Verfügung stehen, sind für Jugendliche ein entscheidender Faktor. Die Uni Klagenfurt ist dafür mit neuen, zusätzlichen Lehrstunden wie Robotik ein wesentlicher Faktor. Obwohl wir, realistisch gesehen, kaum eine Technik-Uni nach Kärnten bekommen werden, ist es erfreulich, dass der Uni-Standort Klagenfurt in dieser Hinsicht massiv erweitert wird. Das wird junge Menschen eher dazu bewegen, im Land zu bleiben. Das Bildungsangebot Stück für Stück zu erweitern, besitzt für das AMS oberste Priorität. Auch im Sinne von: den Arbeitsmarkt Süd in einen Bildungsmarkt Süd umzubauen.

ARBEITSLOSENZAHL STARK RÜCKLÄUFIG
Wie entwickelt sich die Arbeitslosenquote in Kärnten im Österreich-Vergleich?
Sehr erfreulich, denn der Unterschied zwischen Kärnten und Österreich war immer sehr hoch. 1,8 Prozentpunkte betrug der Unterschied 2016. Mittlerweile, also 2025, sind wir auf 0,1 Prozentpunkte heruntergesunken. Das spiegelt sich auch im starken Rückgang der Arbeitslosigkeit wieder. Seit 2016 haben wir im Jahresschnitt rund ein Drittel an Arbeitslosen weniger.

Wie sieht die aktuelle Beschäftigungssituation im Bereich des AMS Villach aus?
Von der Gesamtbetrachtung her, also von 2017 weg, ist die Beschäftigtenzahl von 48.335 auf 51.900 im Jahre 2025 gestiegen. Das heißt, dass sich die Beschäftigtensituation sehr positiv entwickelt hat und nach Rückmeldungen der Betriebe der Beschäftigtenstand weiter steigt. Villach und Wolfsberg waren 2025 die einzigen Bezirke, die Arbeitslosigkeit abbauen konnten, obwohl das Vorjahr wirtschaftlich gesehen kein ruhmreiches Jahr war.

Wie viele Menschen waren im Vorjahr in Villach durchschnittlich ohne Arbeit, wohin tendiert die Entwicklung?
Ungefähr 4.500 Personen. Das sind 94 weniger als ein Jahr zuvor. Tendenziell gesehen liegt Villach gut. 2017 waren noch 6.000 Menschen ohne Arbeit, also eine Verminderung um 1.500. Es hat sich von den Einwohnern und dem Arbeitskräftepotenzial in der Gesamtentwicklung der Stadt und ihrer Umgebung einiges bewegt.

NEU AN DER MARIA GAILER STRASSE
Das AMS Villach übersiedelt an die Maria Gailer Straße – weshalb?
Die Systematik besteht darin, dass wir praktisch alle zehn Jahre die räumliche Infrastruktur dahingehend durchleuchten, ob sie den geänderten Erfordernissen und organisatorischen Abläufen noch entsprechen. Das hat in Villach nicht mehr gepasst. An der Maria Gailer Straße werden wir all das umsetzen können, was ein modernes AMS heute zu leisten hat. Nachdem wir kosten- und zeitmäßig im Plan sind, gehen wir davon aus, dass wir im Juli siedeln und im Herbst offiziell eröffnen.

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