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Villach
Montag, 6. Dezember 2021

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Villach: Alle zwei Jahre um 1000 Menschen mehr!

Im Gespräch mit Bürgermeister Günther Albel über aktuelle Themen der Stadtentwicklung.

Corona engt auch in Villach die finanziellen Mittel drastisch ein. Trotzdem sollen neue Projekte wie die Eishalle oder weitere Umweltschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Wie ist dieser Spagat zu schaffen?
ALBEL: „Gesund wirtschaften“ lautet in dieser Hinsicht unsere Vorgabe. Dazu haben wir es geschafft, dass sich Villach nicht nur zur nachhaltigsten Stadt Österreichs entwickelt hat, sondern auch eine blühende, prosperierende Hightech-Stadt im Süden ist. Das ist für viele, vor allem junge Menschen sehr attraktiv. Das heißt, wir haben den größten Zuwachs an Neubürgern und wachsen nun schon alle zwei Jahre um eintausend Menschen. Adäquat steigt damit natürlich auch der Wohnraumbedarf. Es war und ist stets ein Credo unserer Stadt, für genügenden und auch leistbaren Wohnraum zu sorgen.

BAHNHOFPLATZ-WEST WIRD BEGRÜNT
Im westlichen Bereich des Bahnhofplatzes soll eine parkähnliche Anlage entstehen. Was genau ist geplant?
Bekanntlich hätte dort ein Einkaufszentrum entstehen sollen. Dementsprechend wurde damals auch der Platz gestaltet. Der seinerzeitige private Investor ist jedoch gescheitert. Mit dem nunmehrigen multifunktionalen Projekt, das bereits umgesetzt wird, hat unsere Stadt die Situation vor Ort neu beurteilt. Investor Gerhard Moser hat sich bereit erklärt, sich an den Begrünungsmaßnahmen finanziell zu beteiligen.

„HIER LIEGEN WIR MASSIV IM STREIT!“
Welche Schwerpunktziele haben Sie für Villach für die laufende Periode ins Auge gefasst, oder welche großen Aufgaben sind in den kommenden Jahren zu erledigen?
Zum einen wollen wir gesund wachsen, zum anderen zeichnen sich große Vorhaben ab, die vom Logistikprojekt Alplog Nord in Villach-Federaun bis zur Weiterentwicklung des Technologieparks in Magdalen reichen. Es werden viele neue Arbeitsplätze geschaffen. „Kinderbetreuung“ ist ein weiteres Thema. Es kommen in den nächsten zwei Jahren 100 Kindergartenplätze dazu. Das Land will die Gruppenzahl von 25 auf 20 reduzieren. Das kostet allein unserer Stadt acht Millionen Euro zusätzlich. Ich bezweifle, ob sich das Land der Folgen wirklich bewusst ist. Hier liegen wir massiv im Streit. Mobilität mit dem Ausbau des Taktverkehrs und der geplante Einsatz des emissionsfreien „Wasserstoffbusses“ sind weitere wichtige Faktoren. Wir setzen auf grünen Strom und werden der Photovoltaik auf 50.000 Quadratmetern Raum geben. Die neue Eishalle kommt, für die Innenstadt ein Studentenheim.

DIE GRÜNFLÄCHEN VON MORGEN
In den einzelnen Stadtteilen sollen jetzt so genannte grüne Ecken entstehen. Welche Motivation steht dahinter, was kann man darunter verstehen?
Im Nahbereich des Volkshauses Perau hätte auf einer Fläche von über 4000 Quadratmetern ein Genossenschaftswohnbau entstehen und auch die Feuerwehr dorthin kommen sollen. Allerdings war dafür die Beschaffenheit des Bodens nicht geeignet. Nachdem ja Villach insgesamt und speziell auch die Perau sehr stark wachsen, wurde die Idee geboren, hier für die Grünflächen von morgen zu sorgen. Es sollen aber in den Stadtteilen weitere „grüne Ecken“ entstehen, und zwar dort, wo der Siedlungsdruck größer wird. Wir wollen auch in Zukunft die nachhaltigste und grünste Stadt sein.

ANDERE WERTEVORSTELLUNGEN
Mit der Verantwortung ERDE ist nun im Senat eine Bewegung vertreten, die zu verschiedenen Themen teils sehr konträre Ansichten vertritt. Wie begegnen Sie dieser Bewegung?
Hier treffen zwei völlig andere Wertevorstellungen aufeinander. Ich meine, dass ein Zurück zu nur Landwirtschaft und Viehzucht einer modernen Stadtentwicklung krass entgegensteht. Villach steht zum Konzept einer gesunden Entwicklung im Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie.

VILLACH IM MODELLVERSUCH
Kürzlich wurde in Villach der Wasserstoffbus vorgestellt. Was können Sie sich mit dem Bus für Villach ableiten?
Es wird in Zukunft einen Mix aus verschiedenen Energieformen geben. Eine davon ist der Wasserstoff, der vor allem für den öffentlichen Verkehr und für den Lastverkehr sehr interessant, jedoch noch sehr teuer ist. Dieser Modellversuch soll in Villach starten, wobei der bei Infineon im Produktionszyklus eingesetzte grüne Wasserstoff als Doppelnutzung zum Betanken von Fahrzeugen eingesetzt werden kann.

DIE LIEBLINGSPROJEKTE
Viele Vorhaben, die umgesetzt werden (müssen), folgen einfach zeitbedingten Erfordernissen. Was würden Sie für sich künftighin als Lieblingsprojekte bezeichnen?
Da gibt es viele, doch das Thema „Wohnen“ liegt mir als Sozialdemokraten besonders am Herzen und natürlich auch Zukunftsprojekte wie die Entwicklung des eng mit Nachhaltigkeit verbundenen Marktes, die Innenstadt, die städtebauliche Verwertung des Areals beim Westbahnhof oder als weiteres Leuchtturmprojekt das Nikolai-Quartier.

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