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Freitag, 21. Januar 2022

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„Nicht sicher, ob wir das noch erleben werden“

Koralmbahn und neue Mobilität, Corona-Folgen, Kärntner Linien, Pilotprojekt Gratis-S-Bahn für Touristen: Im Gespräch mit Reinhard Wallner, ÖBB-Regionalmanager für den Personenverkehr in Kärnten.

Die Inbetriebnahme der Koralmbahn ist ja für 2026 vorgesehen. Welche Möglichkeiten werden mit dieser neuen Achse verbunden sein?
WALLNER: Die offizielle, volle Inbetriebnahme ist im Dezember 2025 für den Fahrplan 2026 vorgesehen, wobei auf der Kärntner Seite der Koralmbahn bereits im Dezember 2023 der Betrieb aufgenommen wird. Zudem kommen mit dem Start der Koralmbahn zusätzlich zwölf ganz neue, hochwertige, höchst passagierfreundliche Triebwagen zum Einsatz. Mit dem Start 2025 wird unser Angebot um rund 15 Prozent ausgeweitet, von 4 bis 23 Uhr verkehrt dann die S-Bahn größtenteils im Stundentakt, Villach–Klagenfurt jede halbe Stunde.

NOCH KEINE PLANUNGEN
Die Koralmbahn endet zunächst in Klagenfurt. Wie ist der aktuelle Planungsstand zur Weiterführung nach Villach?
Die Koralmbahn ist ein Teil der neuen Südstrecke der ÖBB, endet also nicht in Klagenfurt, sondern führt von Hohenau/March bis Tarvis und Jesenice. Neben der nunmehr bereits abgeschlossenen Modernisierung des Karawankentunnels werden auch im Mur- und Mürztal wesentliche Adaptierungen durchgeführt. Was eine mögliche neue Trassenführung entlang des Wörthersees und Mittelkärntner Raumes betrifft, bin ich mir nicht sicher, ob wir das noch erleben werden. Gespräche laufen zwar, aber noch keine Planungen. Aus Sicht der ÖBB reicht der bestehende Bahnabschnitt Klagenfurt-Villach kapazitätsmäßig völlig aus.

„WERDEN STARK ZUSAMMENWACHSEN“
Inwieweit könnte die neue Verbindung nach Graz unser Verhalten in dieser Hinsicht beeinflussen?
Hier wird es zu massiven Veränderungen kommen, weil durch die Koralmbahn die Lebens- und Wirtschaftsräume der Steiermark und Kärnten stark zusammenwachsen werden. In nur vierzig Minuten von Klagenfurt nach Graz, mitten in die City hinein – da ergeben sich wirtschaftlich, schulisch oder universitär gegenseitig völlig neue Chancen. Die Grazer Messe rückt wesentlich näher, umgekehrt für die Steirer die Klagenfurter Messe oder Ausflugsmöglichkeiten an unsere Kärntner Seen. Das Fernverkehrsangebot Steiermark-Kärnten oder Wien-Kärnten wird sich vervierfachen.

„ICH BIN GUTER DINGE“
„Corona“ hat den Personenverkehr auf nahezu null heruntergefahren. Wie gut ist die „Wiederbelebung“ gelungen?
Bei einem Reisendenverlust von 98 Prozent waren das für die ÖBB die wohl schlimmsten Tage. Noch liegen wir in etwa 25 Prozent hinter den Werten des Jahres 2019. Da muss man aber in Betracht ziehen, dass 2019 ein Zuwachs von mehr als 15 Prozent im Nahverkehr in Kärnten zu verzeichnen war. Auch im Jänner/Februar 2020, also vor Corona, waren wir noch zweistellig vorne. Ich bin guter Dinge, dass wir bereits im kommenden Jahr wieder am 2019er-Level sind.

„ERSTER SCHRITT GUT GELUNGEN“
Kärntner Linien“: Ihr Resümee nach rund einem Jahr?
Die Eisenbahn ist ja das Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs. Allerdings haben wir nicht überall Schienen, deshalb wird die Infrastruktur durch Schnellbusse entsprechend ergänzt. Das heißt, die Busse sind sozusagen die verlängerte S-Bahn. Ich kann sagen, dass unser erster Schritt schon ganz gut gelungen ist.

„EXTREM GUT ANGENOMMEN“
Zwischen Tourismus und den ÖBB läuft über die Tourismuskarten ein Pilotprojekt zur Gratisbenützung der S-Bahn. Ihre bisherigen Erfahrungen?
Absolut sensationell – das Angebot wurde extrem gut angenommen! Beim Start vor zwei Jahren mit der Region Nassfeld-Lesachtal-Weißensee war das noch ein zartes Pflänzchen, das sich nun mit der Kooperation mit den Tourismusregionen Villach/Faaker See/Ossiacher See, Wörthersee, Mittelkärnten und Klagenfurt erweitert hat. Wir arbeiten gerade daran, es für 2022 auch weiter fortzusetzen. Es ist unsere Zielvision, dass ein wesentlich höherer Anteil als heute nicht mehr mit dem Auto nach Kärnten kommt, sondern ökologisch mit der Bahn und dann hier unser Mobilitätsangebot nützt.

„NACH WIE VOR AUTOVERLIEBT“
Der Personenverkehr wird vom Auto stark bedrängt. Das 2008 eingeführte S-Bahn-System soll dagegenwirken. Wie hat sich diese Einführung seit damals entwickelt?
Die S-Bahn ist definitiv eine Erfolgsstory. Allerdings sind die Kärntnerinnen und Kärntner nach wie vor sehr autoverliebt. Studien belegen, dass wir im Schnitt pro Einwohner in Österreich die meisten Kilometer herunterspulen. Das sehen wir teils positiv, weil es damit noch ein großes Potenzial an möglichen Umsteigern gibt.

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