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Villach
Freitag, 12. August 2022

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„Erhöhte Rohstoffpreise wirken sich massiv aus“

Neue Stadthalle, Auswirkungen erhöhter Rohstoff- und Baukosten auf Stadtvorhaben, neue Wohn-projekte Innenstadt, Logistik Center Austria Süd: Im Gespräch mit Villachs Bürgermeister Günther Albel.

Neubau der Stadthalle: Was sind die nächsten Schritte, die gesetzt werden, wann ist mit einem Baubeginn zu rechnen?
ALBEL: Nach der Architekturausschreibung steht das Siegerprojekt seit Juli fest – es stammt von einem Architektenduo, das im Stadthallenbau große Erfahrungen hat und nach dessen Plänen auch in Wien die Stadthalle erneuert wird. Derzeit geht es darum, Feinheiten abzustimmen. Die europaweite Ausschreibung sollte dann bis Jahresende erfolgen können. Ich bin zuversichtlich, dass der Bau Ende nächsten Jahres gestartet werden kann.

MASSIVE AUSWIRKUNGEN
Wie wirken sich die erhöhten Rohstoff- und Baukosten auf Vorhaben der Stadt aus?
Massiv! Es war nötig, alle unsere Bauvorhaben zu durchforsten und zu schauen, was auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden kann. Ausgenommen natürlich Projekte, die gerade im Bau oder aus Sicherheitsgründen realisiert werden müssen. Dazu gehört die Stiege an der Kongresshaus-Draubrücke. Das war eines der Projekte, die unsere Stadt trotz beträchtlicher Baustoffteuerung umgesetzt hat. Eine billigere Variante wäre auf Kosten der Sicherheit gegangen. Hier geht es in weiterer Folge möglicherweise auch um Haftungsfragen. Die Entscheidung war richtig.

„DAS WIRD EIN MEGAPROJEKT“
Die Stadt Villach wächst alle zwei Jahre um gut eintausend Bürgerinnen und Bürger. Gibt es Überlegungen, den Gemeindewohnbau wieder aufzunehmen?
Nein, daran ist nicht gedacht, denn wir pflegen ja beste Partnerschaften mit den gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaften. Unser Modell fürs Wohnen hat sich sehr bewährt. Unsere Stadt stellt den Genossenschaften Grundstücke sehr günstig zur Verfügung, wodurch sich die Baukosten massiv reduzieren und somit leistbares Wohnen möglich wird. Dieses „Role model“ wollen wir jetzt auch im innerstädtischen Bereich im Rahmen dreier großer Quartiersentwicklungen realisieren. Das heißt, es soll in der Innenstadt der Eigentumswohnbau mit leistbarem Wohnen durchmischt werden und somit zur Frequenzsteigerung beitragen. Das wird ein Megaprojekt.

„VILLACH IM BLICKPUNKT EUROPAS“
Infineon hat 1,6 Milliarden Euro investiert, die größte private Investition, die jemals in Österreich getätigt wurde. Spüren Sie einen Motivationsschub?
Villach ist damit in den Blickpunkt Europas gerückt, wenn nicht weit darüber hinaus. Es ist eine extrem positive Situation. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass neben Infineon auch viele weitere Unternehmen kräftig investieren und zu größerer Wertschöpfung beitragen. T.I.P.S. Messtechnik errichtet im Technologiepark zum Beispiel ein Forschungslabor, ebenso errichtet Silicon Austria Labs, ein Spitzenforschungszentrum, ein großes Reinraumlabor. Infineon hat dazu Millioneninvestitionen für die Verkehrsinfrastruktur oder den Bildungs- und Ausbildungsbereich ausgelöst.

„DAS FUNKTIONIERT AUSGEZEICHNET“
Wie hat sich Corona auf die Digitalisierungsoffensive der Stadt ausgewirkt?
Home office zum Beispiel, in kürzester Zeit sind völlig neue Systeme eingeführt worden, wie etwa im Bereich des Bürgerservices. Die Bürgerinnen und Bürger melden sich an, bekommen einen Terminvorschlag, und ihr Anliegen wird dann rasch erledigt. Das funktioniert ausgezeichnet und hat sich bereits stark entwickelt.

„LASSEN SIE SICH ÜBERRASCHEN!“
Den vielen positiven Reaktionen ist zu entnehmen, dass die innerstädtische Wohnzimmeratmosphäre bestens ankam. Was kann man sich für den nächsten Sommer erwarten?
Zunächst ist einmal der Winter mit Neuem da. Zum Beispiel das Riesenrad auf dem Nikolaiplatz oder der Kunsthandwerksmarkt, der heuer verstärkt und erweitert auf dem Hans-Gasser-Platz stattfindet. Der Winter-Wunder-Wald im Parkhotel-Park kommt auch wieder dazu. Wichtig ist, dass diese Attraktionen den Familien und Gästen im Falle einer Pandemie-Verschärfung unabhängig von Corona angeboten werden können. Was den nächsten Sommer betrifft: Lassen Sie sich überraschen!

„DAS GRÜNSTE LOGISTIKZENTRUM“
Mit dem Logistik Center Austria Süd im Bereich Fürnitz soll als Umschlagplatz für die Adria-Häfen das grünste Logistikzentrum Österreichs entstehen. Was steht für Villach dahinter?
Nachdem klar war, dass die Koralmbahn errichtet wird, hat unsere Stadt dort 46 Hektar Grund gekauft, über Jahre hinweg, Schritt für Schritt. Ein Logistikzentrum kann ja nicht einfach irgendwo errichtet werden, sondern nur da, wo ein Verschiebebahnhof, die Eisenbahn, ist. Wenn man Nachhaltigkeit wirklich ernst nimmt, muss man darauf schauen, dass möglichst viel Fracht auf die Schiene kommt. Unsere Stadt will nicht, dass nur Fläche verbaut wird, sondern wir wollen den grünsten Logistikpark. Das heißt, mehr als die Hälfte der 46 Hektar wird nicht verbaut.


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